Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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stehenden, bekleideten und verschleierten Frauen, die ein Kind mit
beiden Händen vor die Brust (z. B. Perrot Fig. 144 S. 202) oder mit
der Rechten einen Topf oder Korb auf dem Kopfe halten, während sie
mit der Linken ein Kind, das die Brust genommen hat, an sich drücken
(z. B. Perrot a. a. 0. Fig. 376 S. 554, als 'deesse mere representee comme
nourrice' bezeichnet). Die nächste Verwandtschaft mit der Statue aus
Lambaesis (Fig. 6) zeigt eine überlebensgrosse Statue aus Athienu in
voller Bekleidung, den Kalathos auf dem Haupte, mit einem nackten
Kinde auf dem linken Arme, das sein rechtes Ärmchen über die be-
deckte linke Brust seiner Pflegerin legt.15) — Ich füge hier gleich ganz

Fig. 6.

ähnliche Terracottafigtirehen aus Karthago an, von denen eines bei
Perrot Fig. 15 S. 53 abgebildet ist: eine stehende bekleidete Frau hält
ein Wickelkind mit beiden Händen vor die Mitte ihres Leibes.10)

Die einschlagenden Bildwerke aus dem reichen Denkmälcrvorrath
Griechenlands und Italiens sind zusammengestellt in den Aufsätzen von
Ed. Gerhard über Agathodaemon und Bona dea und über den Bilder-

I5) Abgebildet Cesnola S. 106; ob das Kind wirklich Flügel hatte, vermag ich
ohne Kenntnis des Originals nicht zu entscheiden. Der oben beschriebene Typus der
Terracotten kommt nach Perrots Angabe S. 202 in Syrien und Phönikien nicht vor.

10) Vor der Identifizierung dieser und ähnlicher Gestalten mit punischen Gott-
heiten warnt Nüldeke bei A. v. Domaszewski Die Religion des römischen Heeres
Trier 1895 S. 74 ff.
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