Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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liehe Beamten getreten war.'11) Es wird dadurch wahrscheinlich, dass
das Gebäude, das wir theilweise aufgedeckt haben und das schwerlich
ein Tempel gewesen sein kann — sind doch auch der Altar und die
Yotive sämmtlich ausserhalb desselben gefunden worden — ein der
Zollverwaltung dienender Bau war. Die Lage desselben würde vor-
trefflich zu einer solchen Bestimmung passen. Unter-Haidin liegt am
Steilufer eines alten, weit nach Westen und Süden» ausbiegenden Drau-
armes; unmittelbar unter dem Dorfe tritt noch jetzt im alten Flussbett das
Grundwasser, einen stattlichen Teich bildend, zu Tage und fliesst unter
dem Kamen Brunnwasser, dem sich allmählich verflachenden alten
Uferrande folgend, der Drau zu. Die Lage von Unter-Haidin hat die
grösste Ähnlichkeit mit der von Neviodunum (jetzt Drnovo) an der Save
und erinnert auch lebhaft an die von Carnuntum an der Donau; alle
drei liegen am Steilrande einer tief ins Land einschneidenden Fluss-
biegung. Diese Beobachtung allein genügt selbstverständlich nicht, um die
Stätte des alten Poetovio zu bestimmen. Aber im Zusammenhang mit einer
Leihe anderer Erwägungen, auf die ich hier nicht eingehen kann, hat sie
in mir die Überzeugung gefestigt, dass das Dorf Unter-Haidin in der
That auf der Stelle von Poetovio erbaut ist. Dann aber war hier die
Station der classis Flavia Pannonica (III n. 4025) und der Umschlagplatz
für die Waren, die auf der Drau transportiert wurden, und gerade hier,
unmittelbar über dem Ufer, die richtige Stelle für ein Zollbureau.'12)

Erinnern wir uns nun der stadtrömischen Weihung eines kaiser-
lichen Sclaven an die bona dea Nidrix d(pmua) d(ivinae) (VI n. 74),
so scheint die Folgerung unausweichlich, dass wir es mit einem Haus-
dienste des kaiserlichen Hauses oder speciell der kaiserlichen Sclaven
des Zoll- und Steueramtes in Poetovio zu tbun haben, der von der
provincialen Umgebung, in der er uns erscheint, ganz unabhängig ist.
Dazu würde stimmen, dass sich der Beiname Augustae als Zeieben

41) Diese Veränderung in der Verwaltung des publicum portorü Illyrici et
ripae Thraciae ist zwischen 1G8 und 182 u. Chr. durchgeführt worden: v. Domaszewski
in diesen Mitth. XIII (1890) S. 134. 141.

42) Im A'orbeigehen bemerke ich, dass wir jetzt bereits die Lage von drei Zoll-
oder Steuerämtern in Poetovio kennen. Das eine lag bei der Kirche St. Martin in
Ober-Haidin, südlich vom Ausgrabungsplatz, vermuthlich an der Beiehsstrasse von
Celeia nach Poetovio (III n. 4015. 4016, dazu 4017 und 4044, die Weilmngen beziehen
sich auf Isis und Seiapis: aus der Zeit der Verwaltung durch Pächter (conduetores)
stammen 4015. 4017). Das zweite lag am Fusse des Schlossberges in der jetzigen
Stadt Pcttau am linken Drauufer, vermuthlich an der Brücke, die hier in alter Zeit,
oberhalb der jetzigen Brücke, über die Drau führte (n. 4020. 4023. 4024 dem Jupiter
opt. max. geweiht, 4032 dem I. O. M. Culminalis, n. 4035 dem I. 0. M. Depulsor,
n. 4043 den Nymphae Aug.). Endlich drittens das oben besprochene: eine alte römische
Strasse, die wir weiter westlich aufgedeckt haben, führte hier vorbei.
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