Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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[Das Facsimile gibt was wir auf dem Abklatsch deutlich erkennen.
Der confuse Sinn wird etwa so sich zurecht legen lassen: sei glücklich
solange du lebst, damit du nach deinem Tode gepriesen werden kannst,
du habest gelebt als Sterblicher und Unsterbliches begründet. — vaiysic
wird neugriechischem Sprachgebrauch entsprechend stehen für tvot l/^;.
Wie der Anfang zu lesen sei, bleibt unsicher: ein Eigenname wie 'Oplota
ist nach den deutlieben Zügen des Abklatsches ausgeschlossen. D. R.

In Selki wurde ein römischer Meilenstein copiert, welcher dem-
nächst in dem neuesten Supplement-Band des CIL veröffentlicht wird.

Ramsay (a. a. 0. p. 334) vermuthet in oder bei dem Dorfe Selki, in
dessen Mitte sich ein für die Akropolis geeigneter Hügel erhebt, das antike
Amblada, eine Bischofsstadt, die unter dem Metropoliten von Ikonium stand.

Am Ostufer des Beischehir-Sees, ungefähr 2 Im vom See entfernt
und 18 km nördlich von der Stadt Beischehir, liegt ein aus Trachyt-
blöcken errichtetes Monument altkleinasiatischen Stiles, der Eflatun-
Bunar (d. h. Plato-Brunnen). Dasselbe ist schon mehrfach von Reisenden
erwähnt und stilkritischen Untersuchungen unterzogen worden. (Hamilton,
Researches in Asia Minor II p. 350/51 ; Revue Archeol. 1885 p. 257 ff.;
American Journal II, 1886 p. 49 ff.; Perrot, Histoire de l'art 1887,
IV p. 734 ff.; Humann u. Puchstein, Reisen in Kleinasien und Nord-
syrien 1890 p. 65; Zeitschrift für Assyriologie, 1894 p. 416).

An der Westseite des Bauwerkes sprudelt ein Quell aus dem
Erdboden hervor, der, östlich durch eine Barre eingedämmt, einen
kleinen Teich bildet, aus dem die nach Norden orientierte, aus 14 Blöcken
bestehende Fassade des Monumentes emporragt (Taf. I). Diese einzelnen
Steine sind mit Reliefs versehen. Die Fassade ist nach meinen Messungen
7-02 m lang und 3*30 m breit. Die Anordnung und Darstellung auf den
Beliefs dürfte nach Humann u. Puchstein a. a. 0. so aufzufassen sein,
dass ein grösserer Baldachin oder eine Aedicula von dem obersten Block,
der mit einer geflügelten Sonnenscheibe versehen ist, und von den vier
seitlichen Steinen mit ihren stützenden oder tragenden Figuren gebildet
wird, während sieli darunter und innerhalb der ersteren eine kleinere
Aedicula befindet. Sie wird dreifach von je zwei kleineren Steinen ge-
tragen und enthält im Architrav-Balken zwei geflügelte Sonnenscheiben,
welche sich direct über zwei darunter angebrachten grösseren Steinen
befinden. Ähnliche Aediculen sehen wir auf den Reliefs von Boghas-Köi
mehrmals (Perrot a. a. 0. Plan VIII, K. u. Abb. 321; Humann und
Puchstein a. a. 0. Abb. 13, 14, 15). Hier wird der aus vier geflügelten
Sonnenscheiben gebildete First von zwei Säulen oder Pfeilern getragen,
während in der Mitte verschiedene Darstellungen angebracht sind.

Auf dem Hauptblock wird nun die in der Mitte befindliche Sonnen-
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