Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 41
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Der links befindliche Stein lässt allenfalls eine Figur erkennen, «leren
Kopf die in den Sculpturen von Boghas-Köi und anderen Denkmälern
frübkleinasiatischen Stils so häufig vorkommende hohe Tiara bedeckt.
Ausser dem Kopf sind der Brustkasten mit gleichsam emporgezogenen
Schultern, die eingezogenen Hüften und ein Theil des sieh nach unten
verjüngenden Unterkörpers sichtbar. Von den in der Sokolowski'schen
Zeichnung vorhandenen., nach oben emporgestreckten Armen konnten
wir nichts erkennen, während sich zu beiden Seiten des Unterkörpers
zwei wulstartige Gebilde herabziehen, welche man für die Arme halten
könnte, wenn eine Verbindung derselben mit den Schultern vorhanden
wäre. Hier weist jedoch der Stein auf beiden Seiten gleichmässig eine
Unterbrechung auf, die nicht zufällig, etwa durch Lädierung entstanden
sein kann. Wir haben es also mit einer Figur ohne Arme zu thun.
Schon öfter haben wir auf Übereinstimmungen hinweisen können, die
zwischen den Sculpturen vom Eflatun-Bunar und denen von Boghas-
Köi vorhanden sind. Auch für diese Figur findet sieh hier eine Analogie,
in der Göttergestalt, welche in dem zum Sanctuarinm führenden Corridor
angebracht ist (Perrot Abb. 320 ». Sie hat ein mit hoher, spitzer Mütze
bekleidetes menschliches Haupt. Der Brustkasten wird aus den Vorder-
teilen von zwei Löwen gebildet, deren Köpfe die Stelle der menschlichen
Schultern einnehmen, während zwei andere Löwen zu beiden Seiten
mit den Köpfen nach unten am Körper herabhängen, und das Ganze
scheinbar in einem sich verjüngenden Pfeiler endigt. Vergleichen wir
nnn diese Gestalt mit der in Rede stellenden Sculptur am Eflatun-
Bunar, so ist es mir in hohem Maasse wahrscheinlich, dass auch hier
die gleiche Gottheit dargestellt ist. Hierfür sprechen die hohe Mütze,
das Fehlen der Arme, die hohen wie mit einem Ansatz versehenen
Schultern, der sieh nach unten pfeilerartig verjüngende Unterleib. Die
Wulste zu beiden Seiten würdet! als die nicht eng am Körper herab-
hängenden Löwen gedeutet werden können.

Das als Gegenstück dienende Relief bietet wegen seiner ausser-
ordentlichen Verstümmelung noch mehr Schwierigkeiten für die Deutung.
Uic Sokolowski'sche Zeichnung, welche auch hier wieder eine Gestalt
mit emporgestreckten Armen gibt, ist vollständig unrichtig, wie schon
die photographische Aufnahme im American Journal (a a. 0. erkennen
Hess. Ramsay sieht eine den Sphinxen von Eujuk, den Bildern der
Göttin Hathor vergleichbare Darstellung. Der englische Forscher wird
z" dieser Deutung durch die Ähnlichkeit geführt sein, welche zwischen
dem den Kopf der Sphinx umgebenden, aufgerollten Band (Perrot
Abb. 327) und dem runden Abschluss des hier Dargestellten besteht.
Auch könnte man wohl den zwischen den kurzen Beinen der Sphinx
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