Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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schehir-Sees gelegene,, von Fiebern heimgesuchte Ebene durchziehen.
Gleichfalls am Bande eines Quells und aus seinem Wasser hervorragend,
befindet sieh ein anderes Basrelief frühkleinasiatischen Stiles zu Ibriz,
in der Nähe des heutigen Eregli, in Lykaonien (Perrot, Ab. 724; Ramsay
in der Arehäol. Zeitung 1885 p. 203 ff. und in den athen. Mitth. 1889
p. 171). Hier ist ein Gott dargestellt, durch Weinlaub als Früchte
spendend charakterisiert, der von einem vor ihm stehenden Manne,
seinem Priester oder einem Fürsten, verehrt wird. Auch in dem, wie
hier, neben einem fliessenden Quell errichteten Monument vom Eflatun-
Bunar glauben wir ein derartigen Gottheiten gewidmetes Denkmal zu
erblicken. Das Vorhandensein eines Altars, den, wie gesagt, Ramsay in
einem der Keliefs erkennen will, würde ein weiterer Anhalt für die
Deutung einer Cultstätte sein.

Die Anlage und Gestaltung des Gebäudes, dessen Nordfassade mit
ihrem Reliefschmuck wir im Obigen zu deuten versucht haben, lässt sich
uus den vorhandenen Trümmern nicht sicher erkennen und mit Bestimmt-
heit erklären. Erhalten ist die Xordseite mit Ausnahme des krönendeu
Stückes, und ferner der Theil einer westlich im rechten Winkel abge-
henden Miuiei- (3-60 m lang). Auch sie ist wieder aus mächtigen, aussen
sauber behaltenen Trachytblöeken zusammengefügt (Fig. 1). Von der gegen-
überliegenden Ostmauer (1*81 nt lang) ist noch weniger vorhanden; aber
die gleiche Bearbeitung der Ecksteine lässt sicher erkennen, dass auch
auf dieser Seite das Gebäude frei stand (Fig. 2 ). Die Steine dieser und der
Uberhaupt jetzt fehlenden Südseite scheinen absichtlich entfernt zu sein.
Man hat das Monument zerstört, vielleicht um aus den zerschlagenen
Steinen den künstlichen Damm zu errichten, welcher den kleinen See
östlich begrenzt. Ramsay hat einen Stein des Mauerwerkes in diesem
Damm erkannt. Das hart südlich vom Eflatun-Bunar befindliche Terrain

Fig. 3. Eflatun-Bunar, Grundriss.

ist bedeckt mit einer Fülle von unbearbeiteten rohen Blöcken, von denen
uian nicht weiss, ob sie früher bearbeitet gewesen sind und zu dem
Gebäude gehört haben (Fig. 3). Die Lage dieser Blöcke weicht nach
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