Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 46
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meinen Beobachtungen von der in der Revue Aren, gegebenen Zeichnung
nicht unbedeutend ab; letztere ist auch aus dem Grunde ungenau,
weil die unregelmässigen Blöcke hier als quadratische wiedergegeben
sind. Eine Ausnahme machen nur zwei der grössten Blöcke, welche, im
rechten Winkel und in scharfer Kante gegen einander gelehnt, ein kleines
Thor bilden. Drei Seiten des grösseren Blockes sind geglättet. M. von Soko-
lowski sieht in diesen Steinen „un portail monumental orne de colosses"
und Ranisay (Perrot a. a. 0.) hält es für einen Theil der Einfassung
eines kleinen Fensters. „Ein Thier, wahrscheinlich ein Löwe, war in
Hochrelief auf die innere Seite des Blockes gemeisselt; man kann daraus
erkennen, dass ein Fries von schreitenden Thieren diese Öffnung um-
gab." Von den Besten irgend welcher Sculptur haben wir an diesem
Stein nichts wahrgenommen, ohne damit die Kamsay'sche Beobachtung
als unrichtig hinstellen zu wollen. Vielleicht haben diese beiden Blöcke
nicht die Ecke eines Fensters, sondern einer Thür gebildet, welche den
Eingang in das Gebäude vermittelte. Ehe nicht das hinter der scul-
pierten Wand liegende Terrain durch Ausgrabungen genauer untersucht
und Fundamente freigelegt worden sind, wird man über die Anlage
dieses Monumentes nichts Bestimmtes sagen können. Wenn man eine
Vennuthung hegen darf, so wäre es die, dass es sich hier um eine
tempelartige Anlage gehandelt hat, an deren Südseite sich ein Thor
befand. Den Hauptschmuck hatte man der Nortlfassade gegeben, der
Seite, die dem Wasser zugekehrt ist, und hier die Gottheiten dargestellt,
denen man den lebenspendenden Quell dankte und die in dem Tempel
aus Dankbarkeit für dieses Geschenk verehrt wurden.

Wie Ranisay (The historical geography of Asia Minor, London 1890
p. 39) nachweist, liegt der Eflatun-Bunar auf der Strasse, welche von
Osten, von den Kilikischen Pässen kommend, das Südende des Beischehir-
Sees erreicht, um dann an der Ostküste desselben nach Norden empor-
steigend, zum Mäander-Thal und in demselben herab zur Westküste;
Kleinasiens zu führen. Dass diese Strasse schon in vorgriechischer Zeit,
neben der zweiten von den Pässen bis nach Pteria direct nördlich
führenden und dann erst nach Westen abbiegenden Strasse bekannt war,
ist aus deu Monumenten altkleinasiatischen Stiles ersichtlich, welche
sich an verschiedenen Stellen der ersteren Route vorfinden, in dein schon
oben erwähnten Ibriz (Kybistra-Herakleia), Fassiler (Dalisandros?) und
auch im Monument des Eflatun-Bunar. Den Namen Plato-Brunnen erhielt
das Bauwerk im Mittelalter, zur Zeit als im NU. Jahrhundert die seld-
jukischen Türken das Sultanat von Ikonium gegründet hatten; die
Bezeichnung ist neben den vielen kunstgesehichtlieh bedeutenden Bau-
werken aus dieser frühtürkischen Epoche ein Beweis für das Interesse,
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