Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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vollständig- verhüllte Frauengestalt dar. während auf der anderen Seite
ein Mann mit kurzem Chiton angebracht zu sein scheint. AVie Ramsay
(a. a. 0. p. 360) auseinandersetzt, muSS die antike Stadt Karralis,
nach welcher der See seinen Namen erhielt, an der Südseite desselben
gelegen haben. In dem nahen Beisehehir, der heute bedeutendeten Stadt
der Gegend, sind keine antiken Reste gefunden worden. Vielleicht
bezeichnet Üskeles die Stelle des antiken Karralis. Für die Erscheinung,
dass nicht auf demselben Platze, sondern in der Nähe einer antiken
Ansiedlang sich der ihrer Bedeutung entsprechende moderne Ort be-
findet, gibt es auf kleinasiatischem Boden viele Beispiele, unter denen
wir das an die Stelle von Laodikeia am Lykos getretene Denizli und
das auch einige Kilometer von Tripolis am Maeander befindliche Buladan
erwähnen.

Audi zwischen dein modernen und dem antiken Namen, zwischen
Üskeles und Karralis, dürfte ein gewisser Zusammenhang bestellen. Oft
findet sich in modern türkischen Ortsnamen die aus sie entstandene
Vorsilbe Is (hier dialektisch Us), die dem umgestalteten antiken
Namen vorgesetzt ist. So ist aus Nikomedia Ismid — aus Nikaea Isnik —
aus Baris Isparta und in diesem Falle aus Karralis Üskeles (sl? KappaXiv)
entstanden.

Südwestlich von Üskeles erreichten wir das hoch im Gebirge liegende
kleine Dorf Zekeria-Köi. G. Hirschfeld oder vielmehr sein Begleiter
Eggers hatte hier auf einer im Jahre 1878 unternommenen Reise „in den
lebendigen Fels gemeisselte Beliefs gesehen, meist Reiter, nach den
bisweilen erhaltenen Inschriften naturfeste Grabstelen, wie sie nun schon
an mehreren Punkten Kleinasiens, zum Theil in grosser Fülle zutage
gekommen" wären.10) Er vergleicht hiermit die Reliefs von Fassiler
und andere kleinasiatische Denkmäler der sog. hethitisehen Kunst. Im
Süden des Dorfes fanden wir an einer senkrecht aufsteigenden Fels-
wand diese sieben Reliefs (Fig. 5 und Taf. II). In verschiedener Ent-
fernung von einander und in ungleicher Höhe vom Erdboden angebracht,
sind dieselben ungefähr 2 m hoch und bauen sich folgendermaassen auf:
An einen rechteckigen profilirten Sockel, dessen Mitte meist ein Gorgonen-
kopf schmückt, reiht sich eine Inschrifttafel an, über welcher ein im
Halbrund geschlossenes Relief, einen nach rechts reitenden gepanzerten
Mann zu Pferde darstellend, die Bekrönung bildet. Die Inschriften
sowohl wie diese Reliefs sind durch die Witterung stark zerstört; aber
letztere verrathen trotzdem eine lebendige Behandlung des Figürlichen

10) Sitzungsberichte der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin vom
20. März 1879.
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