Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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Trümmern bedeckt fanden (Taf. III). Sterrett19) hat Afschar und Ter-
ziler besucht, ohne Siwri-Kalessi, wie dies Ruinenfeld von den Ein-
wohnern genannt wird, gesehen zu haben. Das Plateau erstreckt sich
ungefähr 150 m unterhalb der erst langsam, dann schroff ansteigenden
Felsspitze des Siwri-Daghs, circa 75 m in südöstlicher Eichtling; es ist
circa 45 m breit (Fig. 8); die Eänder fallen ziemlieh steil zum Thal ab.
Dieser ganze Raum ist mit Trümmern übersät, von reicher Vegetation
von Cedern und Laubbäumen Uberwuchert. Als besterhaltenes Gebäude
liegt an der südwestlichen Kante des Flateaus ein kleiner Tempel,
dessen Umfassungsmauern theilweise erhalten sind, ebenso wie ein Stück

Fig. 9.
Siwri-Kalessi, Tempel.

Fig. 8. Siwri-Kalessi, Plan des Ruinenfeldes.

vom Giebel (Taf. IV; Fig. 8 A und Fig. 9). Es ist ein templum in antis,
mit Pronaos und Cella, aus grauem Sandstein erbaut. Von den beiden
Eingangs-Säulen wurde ein Stück mit 32 flachen Kanellüren gefunden.
Die Quadern, ohne Mörtel, in abwechselnd grösseren und kleineren
Streifen aufeinandergeschichtet, sind äusserst sorgfältig bearbeitet; ein
schmaler glatter Rand umgibt jedesmal die rauhe Mittelflüche des Steines
(Taf. IV). Mässig hervortretende Anten tragen die Giebel, welche mit
Löwenköpfen als Wasserspeiern und mit einer Maske als Bekrönung
versehen sind. Aus dem Vorkommen von Bohrlöchern an der Innenwand
der Giebel-Nische geht hervor, dass hier Sculpturen vorhanden waren.
Unter den das Innere der Cella füllenden Trümmern hat sich der pro-

I9) Sterrett: Papers of the Amer. School of Class. Studios at Athens. Vol. III,
pag. 279.
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