Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 58
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Antike Inschriften in Constantinopel und Umgebung.

Als ich Ende 1894 und Anfang 1895 solche Kaufläden von Pera,
Galata und Stambul, in denen sich Antiken vennuthen Hessen, besich-
tigte, fand ich zahlreiche Fälschungen und nur wenige griechische
Inschriften, von denen ich einige mittheile.

Grabstele aus Marmor, in zwei Stücke gehrochen, 32 cm breit,
76 cm hoch, circa 8 cm dick, Buchstabenhöhe l1/* cm.

Über zwei Reliefbildern, von denen das obere ein „Todtenmnhl",
•das untere einen Zweikampf darstellt, ist in einem vertieften Streifen
•die Inschrift angebracht, darüber an den Ecken und in der Mitte je
ein lotosartiges Ornament. Die Inschrift, deren Anfang zerstört ist,
lautet:

mmw^ z iP.N IIMAnoz i^yim s^vo?.

In dem darunter befindlichen Relieffeld liegt ein mit Chiton und
Mantel bekleideter Mann rechts auf einer massiv gegebenen Kline, an
deren Fussende auf einem nur roh angedeuteten Stuhl eine verhüllte
Frau ihm zugewendet sitzt, die mit der Linken ihren Mantel in der
Schultergegend fasst und die Rechte im Schosse ruhen lässt. Er hält, auf
ein in der Mitte gefaltetes Kissen gestützt, in der Linken eine Schale (?),
während er mit der Rechten der Frau einen Kranz entgegenstreckt.
Diesseits der Kline steht ein Tischchen mit drei Beinen, welche in der
Art von Thierbeinen gebildet sind; darauf drei Gegenstände (Speisen).
In den Ecken der Darstellung stehen zwei Kinder in Vordersicht, die
beide den linken Ellenbogen auf die rechte Hand stützen: links ein
Mädchen in einfachem langen Gewand, rechts ein Knabe mit einem bis
zu den Knien reichenden Chiton bekleidet. — Im untersten Felde sprengt
ein leicht bewaffneter Reiter nach rechts gegen einen Fussoldaten; er
schwingt einen Speer, und der Gegner, der mit Helm, viereckigem
.Langschild und stark vorspringendem Metallpanzer gewappnet ist, scheint
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