Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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geführt, eine viereckige Marmorara bemerkte. Sie ist unten gebrochen, jetzt
0*51 Meter hoch, 0-21 Meter breit, 0-19 Meter dick. Oben springt ein
schlichter, durch zwei Fascien gebildeter Ablauf vor, der ringsherum
läuft; nur an der linken Nebenseite erscheint er jetzt nicht mehr, da
diese überhaupt beschnitten zu sein scheint und dann rauh gelassen
worden ist. Durch diese Verstümmelung haben die beiden Inschriften
der Ära, von denen die längere an der Vorderseite, die kürzere an der
Rückseite angebracht ist, in jeder Zeile 1—2 Buchstaben eingebüsst,
jene am Anfang, diese am Ende der Zeilen. Die Inschrift der Vorder-
seite, in lVj — 2 cm hohen Buchstaben ausgeführt und wohl noch dem
Anfang des ersten nachchristlichen Jahrhunderts angehörig, hat sich auch
auf den Ablauf erstreckt, auf dessen oberstem Glied jetzt nichts mehr
zu lesen ist. Die Inschrift der Rückseite (Buchstaben 2 — 3 cm), gut
um ein Jahrhundert jünger, nimmt die Mitte des Schaftes ein.

Das Hauptinteresse der älteren Inschrift liegt in der auva^oijq twv
y.oopstöv mit ihrem d-pyiawifätfoi, zu deren Gebrauch der Altar gestiftet
wird. Über die Spender lässt uns der beschädigte Anfang der Inschrift mehr
minder im unklaren. Der eine, dessen Name wohl auf dem obersten Glied des
Ablaufes gestanden hatte, scheint,8101x13x7]? des Vereins gewesen zu sein;
über die nähere Bezeichnung des andern vermochte ich zu keiner be-
friedigenden Lösung zu gelangen. Zunächst möchte man auch hier an eine
Vereinscharge denken. Ein Räthsel bietet nicht minder die zweite
Inschrift. Sollte auch in diesem Falle das dem Zsü? AcxpsCrrjs geweihte
Altärchen einer Körperschaft (vooi aöpdpioi?) geschenkt sein? Der bisher
unbelegte Cult des Z=ü? Aocpetojs reiht sich den bekannten Höhenculten
des Zeus ein.

Constantinopel.

ERNST KALINKA.
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