Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 106
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Die merkwürdige, auch abgesehen.von der Zweisprachigkeit in
dieser Weise einzig dastehende Urkunde, zu der die oben wiederge-
gebenen Bruchstücke gehören, enthielt anscheinend einen Bericht über
die Abgrenzung des Gebietes von Kallatis mit Angabe der Entfernung
zwischen den einzelnen Grenzsteinen, die hier lapis und Xtö-os heissen.
Dieselben scheinen meist in gerader Linie und dann überwiegend in der
Entfernung von 2000 Fuss (so b 13 und 14, auch wohl 15, da an der
entsprechenden Stelle des lateinischen Textes (o 9) der Strich _ ein II
andeutet), aber auch 1000 Fuss (so b 11) gestanden zu haben. Bei einer
Biegung (xajj.ir/j) wird die Entfernung regelmässig verschieden gewesen
sein; das einemal, wo sie erhalten ist, a 6 = b 12. 13 betrug sie
2400 Fuss. Dass die Termination sich auf Kallatis bezog, beweist der
Fundort und bestätigt die Erwähnung airo KaXXdtiSo; in b 3, obwohl die
Verbindung, in der diese "Worte hier standen, nicht klar ist; man könnte
unter anderem denken an iv ood> ä^oDaT] äzo Ka\ka.v.ooc. Möglicher-
weise gehört zu derselben Termination der von Jirecek in dieser
Zeitschrift X S. 191 ( daraus CIL III S. 7587) nach Copie eines anderen
mitgetheilte Grenzstein mit feines) terr[ae) Call{atianorum). Aber es
scheint nicht ausgeschlossen, dass die Termination einen weiteren
Umfang hatte und auch die von K. Skorpil in dieser Zeitschrift XVII
S. 202 ff. publicierten Grenzsteine S. 202 n. 77 mit [feines)] terr(ae)
Thraaiae), S. 206 n. 92 mit \f(ines) tc\rr(ae) Odcss(itanorum) (früher
in dieser Zeitschrift X S. 181 = C. III. 7589) und S. 206 n. 93 mit
fines terrae vici ihr angehören.1) Ob die Reihenfolge dieser Steine durch
eine auf der Seite angebrachte Zahl bezeichnet war, entsprechend dem
Verfahren bei den Terminalcippen in der Stadt Rom, sowohl des
Pomeriums, wie des Tiberufers, ist wohl nicht untersucht. Hier sind
Ergänzungen zugefügt, so weit sie mit einiger Sicherheit möglich schienen;
durch Unterstreichung sind diejenigen Stellen hervorgehoben, zu denen
die entsprechenden Stellen in dem anderssprachigen Exemplar er-
halten sind.

60. Marmorplatte, auf beiden Seiten beschrieben. Gefunden zu
Mangalia. jetzt im Museum zu Bukarest.

') Möglicherweise gehört auch hierher die Absteckung der Grenze zwischen
den Provinzen Moesien und Thracien im J. 136, von der bis jetzt drei Grenzsteine
bekannt sind (CIL III n. 749 add. p. 992 und diesj Zeitschrift XV S. 209 n. 79)
mit der Aufschrift . . AhUus Bufinus inter Moesos et Thraces fincs posuit.
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