Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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Copic mit ihm prüfte, ergab sich mir auch
dieser Theil der Lesung, in welchem Ladek
selbst schon ein Wort richtig veimuthet hatte.
Die ganze liegt jetzt deutlieh vor in den
nach Ladeks und meinen Oopien und Photo-
graphien von Dr. Sticotti angefertigten Zeich-
nungen (sieh nebenstehend: in der zweiten
sind die Umrisse der Buchstaben zugefügt2),
nämlich Cn{acus) T(itus) Caesii Cniaci) f(ilii)
Tiro et Priscus IUI vir(ß) guinq(uennales\
siia pecun(ia) fecer(imt). In einem Jahre also,
in welchem in Asisium der Census abgehalten
wurde und die beiden höchsten Beamten der
Gemeinde die damit verbundenen Geschäfte
ausführten und deshalb zu dem gewöhnlichen
Titel IUI viri oder IUI viri iure dien o
das Wort quinq(ucnnales) hinzufügten, bei., i-
deten diese Stellung zwei Brüder Cn. Caesi is
Tiro und T. Gaesius Priscusunä führten ausse r
den Bauten auf Kosten der Gemeinde auf
eigene Kosten den Bau dieses Tempels aus.

Wir haben wohl unter den Inschriften
von Assisi die Grabschrift eines Freigelas-
senen des ersten Bruders3) auf einer grossen
Basis, deren früher unpublicierte Inschrift
jetzt in CIL XI unter n. 5348 steht und
lautet: Cn. Caesius Tironis liibertus) Iucundus
VI vir. H(oc) in(onnmcntum) h(eredem) n(pn)
s(equetur).

2i Die Beschädigungen der über den Säulencapi-
tiilen befindlichen kleineren Blöcke des Frieses haben
namentlich die Löcher für das P und den vorderen Theil
des R in Priscus und das Ende von R und den Anfang
von Q in vir(i) quinq(nennalcs) verschlungen. In letz-
terem Worte ist zwischen den Löchern für V und denen
für X Platz für das I, aber obwohl die Stelle nicht
beschädigt scheint, haben wir keine Spur dieses Buch-
stabens entdeckt.

3) Ob der mit dem zweiten Bruder gleich
namige Caesius Priscus. Centurio der legio IUI Scy-
thica, der in einer griechischen Inschrift aus der
Xähe von Seleueia in Pierien (CIG 4460) genannt wird,
irgendwie verwandt ist, muss dahingestellt bleiben.
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