Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 128
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riorum Asiae, über deren Geschichte wir nur spärliche Nachrichten
haben.-) Bis jetzt haben wir aus Zeugnissen der Schriftsteller, wie aus
Inschriften (CIL III 7153. 447; BCH 1886 S. 267, vgl. Mooo. xal ßtßX. vi)«
eotxff. ayoXr,; 1878 S. 49 n. 605) gewusst, dass zur Zeit der Republik
und in der früheren Kaiserzeit (die Inschrift C. III 7153 ist aus dem
J. 26 n. Ch.) die asiatischen Zölle von einer Publicanengesellschaft
gepachtet wurden, die ofticiell socii publici portoriomm (C. III 7153)
oder socii quadragesimae port(prioru,ni) Asiae (C. III 447), auf griechisch
xotvwvot Tsscjapay.oa-f,; X'.fjivtov Aaiac i C. III 447) oder kürzer xoivcovoi
Xtpivcov 'Aoia? (BCH. 1886 S. 267) hiessen. Aus denselben Inschriften
können wir schliessen, dass die Verwaltung der einzelnen Zollbureaus
(stationes, aus Milet und Iasos bis jetzt bekannt) in den Händen der
Sclaven der Coinpagnie gewesen ist; einige dieser Sclaven (alle uns
bekannten) hiessen vüid (olxovöjioi). Dass später in der Verwaltung des
Zolles eine Veränderung stattgefunden hat, zeigt die Inschrift mit dem
eursus honortm des Timesitheus, des Schwiegervaters von Gordian
(gest. als praef. praet. im J. 243)3), der in seiner langen Laufbahn auch
procurator jirov. Asiae und zu gleicher Zeit vice procuratoris vigesimae
hcreditatium et quadragesimae Asiae war. Danach wurden im 3. Jahr-
hunderte die Zölle in der Provinz Asien nicht mehr von Agenten
grosser Zollgesellschaften, sondern unter der Leitung eines Procurators
wahrscheinlich durch kaiserliche Sclaven und Freigelassene erhoben.
Der Zeitpunkt der Änderung und die Rolle des Procurators scheint
sich aus unserer Inschrift zu ergeben. Doch vorher muss ich einiges
über die Zollverwaltung im ganzen römischen Reiche sagen.

Es ist bekannt, dass in der Zeit der Republik die Zölle, wie auch
andere directe und indirecte Steuern an grosse Gesellschaften römischer
Ritter verpachtet wurden, die, wenn auch nicht in der rechtlichen Organi-
sation, doch in der Praxis, wie schon Mommsen*) bemerkt hat, eine
auffällige Ähnlichkeit mit modernen Actiengesellschaften haben. Actien
dieser soeietates (partes, partiadae) befanden sich in den Händen
römischer Bürger aller Classen und bildeten auf dem römischen Foruni
den Gegenstand lebhaften und leidenschaftlichen Spiels. Deloume,
welcher eingehender wie andere von diesem Charakter der römischen
Publicanengesellschaften gehandelt hat, meint, dass mit dem Übergänge

2) S. Cagnat, Etüde sur les impots iudirects chez los Romains S. 79; Salkowski,
Quaestiones de iure societatis S. Höf. und mehrere Andere; zuletzt Deloume, Les
manieurs d'argent ä Rome, Paris p. 1892 S. 269 f. und Kniep, Soeietas publicanorum
Jena 1896 S. 26. 27.

3) Dessau 1330; Allmer et Dissard. Mus. d. L. I S. 167.
*) Eöm. Geschichte I5 S. 864.
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