Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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Zeit des einzigen Gonductor M. Tarquinius Memor C. V 7852 nicht
genauer festzustellen.

Für Afrika sind zuerst von Mommsen die IUI publica als Unter-
abtheilungen des Portorium angesehen worden; ihm hat sieh zuletzt
Knicp angeschlossen. Eine Bestätigung gibt, glaube ich, ein von Benn-
dorf Beiträge zur Kenntnis des attischen Theaterwesens S. 79 Taf. I
n. 34 publicierter antiker Piombo aus dem numismatischen Cabinet in
Dresden; ein viereckiges Bleistück mit einem Loch links unten und
der Aufschrift IUI P A | A V G N j B //;'/, das ist IUI p(ublica) A(fricae)
Äug(usti) n{pstri). Da derselbe nach der Ähnlichkeit mit einigen Piombi
der Sammlung Altieri (Garrucci piombi antichi S. 53, wo die fehlerhafte
Lesung nach dem Dresdner Piombo zu berichtigen ist, vgl. tav. III 20. 21),
die sicher an Kasten angenagelt waren, als ein Zollpiombo aufzufassen
ist, so wird dadurch bestätigt, dass der Zoll die IUI publica Africae
bildete, und es wird der Käme die 4 gesonderten Districte bezeichnen.
"Wirklich zerfiel Afrika später in vier Theile: Africa proconsularis,
Numidia oder einen Theil Numidiens, Byzaeena. Tripolitana i vgl. die
Veroneser Liste des Jahres 297 und Tissot geographie comparee de
l'Afrique romaine 1888 S. 37—42), und diese Theilung möchte ich für
eine Fortsetzung der früheren in vier Finanzdistricte halten. Dafür, dass
diese vier Gebiete wie im Illvricum durch Grenzstationen getrennt waren,
scheinen mir zwei in geringer Entfernung von der Grenze zwischen
Numidien und Africa vetus gefundene inschriftliche Denkmäler zu
sprechen, einmal die einem procurator IUIp. Afr. gesetzte Ehreninschrift
C. VIII 14454 von dem 5 km von Bedja entfernten Sidi Sölten, ferner
die bei Bischka (Bisica) gefundene Inschrift C. VIII 12314 Veneri Aug:
sac. Dclius Abascanti Aug(usti) vil( icl) vic(arius) teloncum a fundamentis
sua impensa r[e]stituit et ampliavit Das Teloneum hat Mommsen eph. V
S. 112 für die mensa fiscalis eines Finanzbezirkes gehalten; aber die
Lage an der Grenze scheint zu bestätigen, dass es ein Zollbureau war,
und dazu passt der Vilicus als Vorsteher vortrefflich. Hoffentlich bringt
der an Inschriften so reiche Boden Afrikas bald mehr Zeugnisse.

Auch in Afrika wurden die Zölle, für die wir die IUI publica
halten, zunächst durch Gesellschaften erhoben, die sich socii IUI publi-
conan Africae nannten. Sie sind uns aus zwei Inschriften bekannt, von
denen die eine aus der bekannten karthagischen Grabstätte des kaiser-
lichen Gesindes stammende ( VIII 12920) dem Ende des 1. oder Anfang
des 2. Jahrhunderts angehört (Mommseu eph. ep. V 109), während die
Zeit der zweiten aus Times (VIII 1128) nicht genau bestimmt werden
kann. Dagegen gehören beide uns bekannte Conductores dem 2. Jahr-
hundert an: Saenius Pompeianus, der als Pächter des publicum Africae
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