Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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Die Herkunft des Fiigger'sclien Amazonensarkophages.

Weder Fundort noch Fundunistände des berühmten Amazonen-
sarkophages, welcher eine Zierde des Wiener kunsthistorischen Hof-
museums bildet, sind bisher bekannt. Die sich widersprechenden An-
gaben der Antiquare des vorigen Jahrhunderts verwirft R. v. Schneider1)
vollkommen wegen eines von ihm gefundenen urkundlichen Zeugnisses,
nach welchem der Sarkophag im Jahre 1567 in Venedig für einen
Fugger gekauft seiu soll. Über die Nachrieht, die vorher den meisten
Glauben gefunden hat, dass nämlich der Sarkophag nach der Schlacht
bei Lepanto (1571) in der Nähe von Ephesos von Maximilian Fugger
gefunden sei, urtheilt er folgendermaassen: „Man thut dieser Nachricht
zu viel Ehre, wenn man in ihr eine Tradition sucht; sie ist einfach
eine späte Erfindung und traditionell ist nur die Verbindung des Sarko-
phages mit dem Namen der Augsburger Kaufherren" (Album S. 5).

Indes, meine ich, darf man von dieser, wie überhaupt von jeder
auf mündlicher Überlieferung beruhenden Angabe, nicht urkundliche
Genauigkeit verlangen, sondern nur die allgemeinsten und wesentlichsten
Momente herausgreifen. Mag die Überlieferung statt Hans und Johannes
Fugger, denen nach dem urkundlichen Zeugnis der Sarkophag gehört
hat. Maximilian Fugger nennen — es genügt, dass sie den Familien-
namen der Besitzer bewahrt hat. Ähnlich weist die Datierung des
Fundes nach der Schlacht von Lepanto, die durch die Urkunden am-
gestossen wird, nur ganz allgemein auf die zweite Hälfte des XVI. Jahr-
hunderts, in der sich allerdings keine Begebenheit finden Hess, die
allgemein bekannter gewesen wäre. Mögen endlich die Angaben über
den Fundort sich widersprechen: Ephesos, Peloponnes, Attika — so
geht doch so viel im allgemeinen aus der Überlieferung hervor, dass
der Sarkophag aus dem Orient stammt, was an sich sehr wahrscheinlich

') Bei C. Robert, die antiken Sarkophagreliefs II S. 78 und im Album auser-
lesener Gegenstände der Antikensammlungdes Allerhöchsten Kaiserhauses Wien 1895 S. 5.
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