Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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ist, da Venedig in jener Zeit Besitzungen an allen Ufern des östlichen
Mittelmeeres hatte.

So stimmen in der von R. v. Schneider verworfenen Überlieferung
von drei wesentlichen Punkten zwei mit den Urkunden Uberein, und
der dritte widerspricht ihnen nicht.

Ich habe nun das Glück gehabt, eine Nachricht zu finden (bei
Sakellarios, Ta Kojrpioraa P S. 133), die, wie mir scheint, nicht nur
die Herkunft des Sarkophages aus dem Orient bestätigt, sondern auch
mit völliger Sicherheit die Frage nach Fundort und Fundumständen löst:
ein cyprischer Historiker aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts,
Florio Bustron, berichtet, wo er von der am nordwestlichen Ufer der
Insel gelegenen alten Stadt Soli (ZöXot) spricht, folgendes:

„Questa cittä era appresso il casal Leuca, nella quäl si vedono Ii
vestiggi äella cittä ampiissima, et in quella si troravo sotto terra sepolture
bellissime di marmoro coii Ii soi copcrclii, et dentro si frovano annelli,
pendenti, et motte gentillezze antique. Et non e molto tempo che s'e trovato
una sepoltura di marmoro finissimo, Javorata a figurc in tutte quatro Je
parti, taiito naturali che non Ii maneava altro che il fiato; erano donnc
et huomini a cavallo senza seile, e senza briglie, con bastoni in mano,
c mostravano guereggiarc, in terra cadide alcune, in atto tanto naturale
che non parevano di pictra, perehe se le poteva vedere le gionture, nervi,
vene, ungie, e moscoli, certo fatti con grandissimo artificio da queUi
maestri antiqui famosissimi. Questa sepoltura stuva in mezo di qualehe
tempio, con quatro colonettc alzata di terra, abbenche la fu trovaia sotto
terra, et mandata a Venctia del mitte cinque cento cinquantotto, per il
magnifieo M. Gioan Rhenier locotenente.u2)

Hinsichtlich des Gegenstandes der Darstellung auf den von Bustron
beschriebenen Basreliefs kann kein Zweifel herrschen: es ist augen-
scheinlich eine Amazonenschlacht. Die unbedeutenden Ungenauigkeiten
der Beschreibung, zum Beispiel die Angabe der Stöcke statt der
Schwerter und Beile, die berittenen Männer statt der Frauen in persi-
scher Tracht und das Fehlen der uuberittenen Krieger, können natürlich
nicht- einer Identificicrung des im Jahre 1558 nach Venedig geschickten
Sarkophages mit dem 1567 dort gekauften im Wege stehen, da sie
sich in einfachster Weise erklären.

Der Sarkophag wurde in situ in einer tempeiförmigen Grabanlage
gefunden und die Existenz solcher Grabanlagen im IV—III Jahrhundert

2) Historia overo commentarii de Cipro di Florio Bustron, nach Rene de Mas
Latrie's Ausgabe (Collection de documents inedits sur l'histoire de France, publies
par les soins du ministere de l'instruetion publique. Melanies historiques. Vol. V 188G;
Paris in 4" S. 20).

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