Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 158
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Ein Grabepigramm aus Mylasa in Karien.

Gefunden zu „Milas in einem Zaune des Hauses von Mehmed
Ahmed Aga, Kalkstein, Q-15m hoch, G"40m breit, Buchstabenhöhe 0-014 m,
Zeilenabstand O005. Kante a b theilweise durch einen Stein verdeckt."
Hula 1894.

001 AN EJtaMffH B H i p
A öX'öZ'i NAEkET-^NM o
ONMHTHPToEP o| < TA0O
O A T ANAPI £T o ENIIAATP

Ich versuche die folgende Restitution und überlasse es dem ein-
sichtigen Leser zu beurtheilen, inwieweit sie Gesichertes, bloss Wahr-
scheinliches oder auch nur Mögliches darbietet.

'Q ftjädo?, w vs[6tt)<;] Yjßrj? rc[epa<; om avüoaoa
rca]i8ö; o? [s]v8[e]y.' Itwv Moppai ISwxs ßCov,
ov [MJtrjp *fo=poT.o(i) Tacpo[i? YevsTCüp Yipaiö?
[■&Jd<];av 5ApiaTo[(t]sv[r(]; 8d(%)p[oac 8euo{ievov.

Zu V. 1 vgl. Kaibel n. 69 (= CIA II 3 2643): & töv ast^otoo
5' apstä; rcapd itäat 7toX(tai? | jtXstvov ejtatvov s'/ovS-' avSpa iro^sivotatov wc£.
Ferner Anthologie V 132 jroSöc, w y.v7jp.7jc —. VIII 133 T$2 p-d^ap,
w lovojV —. Desgleichen I 54 IQ icado?, <L aiaopog —, auch V 166 und
VIII 8. Formverwandt sind auch 562, 1 und 565, 5 bei Kaibel. —
Statt avöoaoa wäre auch iatSoöaa oder TsXeaaaa möglich, etwa wie es
im achten platonischen Brief 353 d heisst: y.ol jcepa; oö8£v jcots TsXettai
v.zs. — yjßyjs ~epac = „der in der Mannbarkeit gelegene Zielpunkt", ähnlich
wie fl-avdxot oder ^dp-ou tsXo? zu verstehen sind. — V. 3 kann fspa.\.6<;
natürlich nicht als gesichert gelten; doch ist zwischen yoepotai zd'swc
und Sdxpooi Seoöfievov ein drittes Wort der Klage oder Trauer wenig wahr-
scheinlich. Ob die Schreibung Sd-fpu dem Steinmetzen zur Last tällt, oder
wie so mancher andere Wechsel von Muta und Tennis dialektischer Art
ist, weiss ich nicht zu sagen (vgl. G. Meyer 201 f. und Kühner-Blass
I 71, 1; 147 f.)

Wien. TH. GOMPERZ.
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