Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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Aus Liburnien und Istrien.

Im Auftrage des archäologisch-epigraphischen Seminars unter-
nahmen wir im Herbst 1893 eine Reise nach dem Quarnero, um die
Alterthttmer der Insel Veglia, des römischen Curictae, zu untersuchen
und gelegentlich auch in den benachbarten Gegenden Nachforschungen
anzustellen.

Stadt Veglia und Unigebimg.

In der Stadt ist die ergiebigste Fundstelle die Gegend um den
Friedhof, namentlich die Grundstücke Schinigoi und Bolmarsich. An
der Marina ist — ausser der schon bekannten archaischen Inschrift1) —
die obere Hälfte eines römischen Grabsteines in der venezianischen
Hastion eingemauert. Er zeigt neben einander Brustbilder von Mann
und Frau in einer umrahmenden Aedicula. An den beiden Pilastern
war die Vorderseite mit fortlaufendem Rankenornament geschmückt;
die Capitelle gehören vielleicht der Compositordnung an: die Voluten
wären mit der bei Dürrn, Baukunst der Römer S. 245 Fig. 218 abge-
bildeten Spielart zu vergleichen. Wie Ansatzspuren zeigen, sassen auf
den beiden oberen Giebelkanten Akroterien, möglicherweise Löwenleiber,
auf. Die Haartracht der Frau scheint in den Anfang des 3. Jahrh. zu
weisen. Graf Niccolö Frangipani benützte 1407 dieses Denkmal zum
Schluss- und Gedenkstein des von ihm vollendeten Befestigungswerkes.
Er Hess demgemäss in den Architrav der Aedicula in gothischen Lettern
eine Inschrift meisseln und in das Giebelbild die plastische Darstellung
des Frangipanischen Wappenschildes, eines sechszackigen Sterns, eintiefen.

Am Ende des östlich an diese Bastion anschliessenden Hafenquais
fand sich in das Pflaster eingebettet einer der in Liburnien so häutig
vorkommenden breitcylindrischen Grabcippi mit einer wulstigen Basis
und einem mächtigen konischen Aufsatz, gewöhnlich in Form eines
Pinienzapfens. Er erreicht die Höhe von 118)«. Leider erwies sich

') In dieser Zeitschrift XVI S. 35.

Arcbäologisch-epigraphische Mittheiluiigen XIX, 2. 11
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