Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 163
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Die nur mittels Fernglases lesbare Inschrift ist roh und unregel-
mässig' eingehauen; besonders fällt die Kleinheit der Buchstaben in
Zeile 6 auf und die Ungleichheit des B und M in Zeile 7. — Der
Gentilnamc Lurius ist für Dalmatien auch sonst bezeugt: wir kennen
einen P. Lurius in Salonae (C. TU add. suppl. 13006) und einen
P. Lurius Ursus aus Risano (Risinium) C. III 1725.

Am Jvordeude des Busens von Cassione liegt die Ruine der
kleinen, sehr alten Rundkapelle, 8. Donato. Sie zeigt eine Form des
Centraibaues, der die oströmische Kirchenbaukunst im Anfange des
Mittelalters im Süden eine weite Verbreitung gab und die auch hier
kaum ausser Zusammenhang mit altrömischer Bautradition gedacht
werden kann. Der Grundriss hat die Form eines griechischen Kreuzes
und über der Vierung erhebt sich ein Tambour mit Kuppel: Halb-
kuppelgewölbe schliessen z. Th. die Seiten-Apsiden. Xahe liegt der
Vergleich mit den von Eitelberger 'die mittelalterlichen Kunstdenkmäler
Dalmatiens' (= Jahrb. der Central-Comm. B. V S. 52 n. 37 mit Taf. V)
besprochenen byzantinischen Kirchlein S. Nicolö und S. Croce von Nona.3)

Drei Viertelstunden südlich von dem am Eingange der Bucht von
Cassione gelegenen Ort Ponte liegt in ca. 100 m Meereshöhe die

Tal (Ii Sus.

Dorther stammt der jetzt in Ponte im Hause des Jure Bonifacic
befindliche Kinder-Sarkophag (in dieser Zeitschrift XV S. 69), dessen
Beigaben, aus Münzen und interessantem Goldschinucke bestehend,
1862 ins Wiener Hofmuseum kamen.4)

Ebendaher rühren nach Angaben des damaligen Pfarrers Don Gian
Paolo Sparozic mehrere prähistorische Bronzegegenstände; darüber
anderwärts.

Zahlreiche Funde von Estrichresten, Dachziegeln, Mörtelstilcken,
Bruchstücken von Amphoren und kleinen Thongelassen nebst Glas-
fragmenten, die unter anderem auch in der Nähe des Fundortes des
gedachten Sarkophages zu Tage traten, lassen die Besiedlung der
östlichen vor den Borastürmen geschützten Thalwand zur Römerzeit
als erwiesen scheinen; wie sich denn noch heute im hinteren Thalende
deutliche Spuren der zu Culturzwecken einst vorgenommenen Terras-
sierung zu erkennen geben.

Vgl. Hauser im XXI. Bd. (1895) der Mitth. der Central-Comm. S. 127.
4) Siehe Seidl-Kenner Fundchronik VIII (= Archiv XXXIII 1) S. 68 ff. mit
den Abbildungen. Die Münzen waren vergoldete Billondenare von Gordian bis
Aurelian. Ein Theil des Fundes kam angeblich nach Agram.
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