Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 182
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Als Sitte der Römer ist bezeugt, die Votivurkunde eines Tropaeum an
seiner Basis anzubringen, eine Stelle, die zweckentsprechend und natür-
lich ist, wie die Dedication einer Statue an ihr Postament gehört. Die
Inschrift muss sich sonach am Fusse des bekrönenden Siegeszeichens
befunden haben, wo sie, auf beträchtliche Entfernungen lesbar, den
historischen Anlass seiner Stiftung aussprach.

Mit dem Namen des rächenden Kriegsgottes verbindet die Inschrift
den Namen und die vollen Titel Kaiser Trajans aus dem Jahre 109 n. Chr.
Das Weitere fehlt oder ist nicht mehr sicher zu errathen. Ergänzend
tritt dafür ein Ring metopeuartiger Reliefs ein, der den cylindrischen
Theil des Baukörpers zierte. Kindlich unbeholfen und roh, aber gegen-
ständlich deutlich schildern diese Reliefs mannigfaltige Scenen eines
Kampfes zwischen Römern und Barbaren. Tracht und Bewaffnung
dieser Barbaren variiert, aber ein Theil gleicht dem Daciertypus auf
der Trajanssäule. Auch Anderes erinnert an Compositionselemente des
Reliefbandes der Trajanssäule. gemeinsam ist namentlich die ständige
Wiederholung der Kaiserfigur, und wo in den Metopen der Kaiserkopf
einigermaassen erhalten ist, tritt Portraitähnlichkcit mit Trajan heraus.
Kurz zuvor, in den Jahren 101—102 und 105—107 hatte Trajan die
grossen dacischen Kriege geführt. Die einst reiche Geschichtsliteratur
dieser Zeit ist dermaassen zerrüttet, dass sich von dem Verlaufe der
Kriege bisher kein Bild gewinnen Hess und jeder Versuch auf die
stummen Räthsel der Trajanssäule angewiesen bleibt. Man erfährt
jedoch aus einzelnen versprengten Ueberbleibseln jener Literatur, dass
der Kampfplatz nicht auf die Stammsitze der Dacier in Siebenbürgen
beschränkt war, dass ihr König Decebalus in weitreichenden Verbin-
dungen Bundesgenossen gegen die Römer warb, dass 'Skythen' als
Helfer betheiligt waren, dass Trajan Sarmaten weitab bei Nikopolis
am östlichen Balkan schlug. Also auf Schicksale jener noch vielfach
dunklen Kriegszeit, genauer gesprochen auf eine unbekannte Schlacht,
die in der Nähe von Adamklissi stattfand und woran der kaiserliche
Feldherr selbst betheiligt war, muss sich das von ihm errichtete Monu-
ment beziehen. Denn Trajan hätte ohne einen bestimmt nöthigenden
Localanlass, der ihn zugleich persönlich verherrlichte, den kostbar
ausserordentlichen Bau unmöglich in eine Gegend verlegen können,
die in alter wie neuer Zeit eine vom Verkehr gemiedene Einöde dar-
stellte. An räumlich Abliegendes mögen Siegesmale in Hauptstädten
und Centraipunkten politischen Lebens erinnern, in einsamen Winkeln
einer fernen Provinz haftet ihr Sinn an dem Boden, auf dem sie stellen.

Das trajanische Monument wird auch durch eine trajanischc
Münze der nächstgelegenen Küstenstadt Tomis beglaubigt, wie in ein-
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