Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 186
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Tropaewm Traiani heissen. Gleich dieser Punkt träfe also den Irrtküni
an der Wurzel und wäre für sich allein schlechthin entscheidend, wie
sich auch Furtwängler hypothetischerweise nicht verhehlte (S. 53).

Dass der Kaiserkopf in den Metopen Trajan ähnlich sei, wird
dann als 'reine Illusion' abgewiesen unter Berufung auf 'die guten
Lichtdrucke' der Publication. Dieses Lob bedauern wir ablehnen zu
müssen. Wie ausdrücklich angegeben ward, sind die zugrunde liegenden
Photographien 'mehrfach unter erschwerenden Umständen' zustande ge-
kommen, so dass sie an Schärfe vermissen Hessen, was sich in der
Vervielfältigung des Lichtdruckes, wie Kennern kaum entgeht, not-
wendig steigern musste. Im Beginne des Metopencapitels wurde auf
den 'ergänzenden Charakter' der beigegebenen Beschreibungen hin-
gewiesen und genauen Lesern wird er an Einzelheiten öfters aufge-
fallen sein. Nach einem ungewöhnlich hohen Aufwände und sehr viel
angestrengter Mühe Hess sich an diesem Sachverhalt, der in mancher
anderen Publication abträglicher unterläuft, nichts mehr ändern.
Jetzt dürfte er aber den übereinstimmenden Wahrnehmungen derer,
die wiederholt, in monatlaugen Studien sicli mit den Originalen be-
schäftigten, gegenüber einem Aburtheilen nach der blossen Publication
Anspruch auf Beachtung sichern, zumal Photographien von Hochreliefs
einseitig sind, die plastische Form selbst mehrseitig betrachtbar bleibt.
Ich kann mittheilen, dass nicht ich allein, der ich nach dem Stile der
Metopen, ehe wir die Untersuchung begannen, eine weit spätere
Entstehung des Monuments für möglich hielt, sondern mehr als ein
damals im gleichen Vorurtheile mit mir Befangener vor der Ähnlich-
keit mit Trajan stutzig ward und sie als bestellend nicht in Abrede
stellen konnte. Auch habe ich an Verschiedenen die Erfahrung gemacht,
dass sie das in naiver Steinmetzenarbeit beabsichtigte Portrait auf der
relativ besterhaltenen Metope 44, nach der Publication, erkannten.
'Dass schliesslich auch Trajan gemeint sein könnte', gibt überdies
Furtwängler neben Anderem zu, und bei seiner Weise der Polemik
kann wohl dieses Zugeständnis genügen.

Nun aber zu einer Hauptsache, zur Kaiserinschrift, wo Furtwängler
einen scheinbar wunden Punkt aufrührt, den wir freilich selbst hervor-
gezogen und zuerst mit aller Schärfe blossgelegt haben. Das durch
Zusammensetzung gewonnene Breitenmaass der Inschrift trifft, wie be-
merkt, zusammen mit der Seitenlänge der sechseckigen Basis, deren
Gestalt durch die Form erhaltener Banglieder wie durch vorgerissene
Bodenlehren gesichert ist. Auch der Höhe nach passen die Fragmente der
fünf ersten Zeilen an eine Seitenwand der Basis. Aber der Text der
Inschrift war länger, wie ein grösstes Fragment lehrt, das von dieser
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