Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 188
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örtlich historischen Wert der Inschrift, worauf es vor allem ankam,
gänzlich unberührt Hess.

Allein hierin irrten wir. Nach Furtwängler hätten wir im Gegen-
theile schliessen sollen, dass die Inschrift mit dem Baue nichts zu
schaffen hahe und für seinen trajanischen Ursprung unbeweisend sei.
Ein flotter Ausweg allerdings, wenn er nur nicht, cinigermaassen
verfolgt, ins Absurde führte.

Der Architekt, der uns den Bau wiederherstellte und, wie Furtwängler
rühmt, „mit gewohnter Genauigkeit und Sorgfalt" dabei verfuhr, hob
auf Seite 40 hervor, „dass das ganze Monument wie aus einem Gusse
erscheint, dass die technische Behandlung aller Theile eine gleichmässige
ist und kein Anzeichen dafür spricht, es habe jemals eine Erneuerung
oder Ergänzung einzelner Theile stattgefunden." Auch Xichttechnikern
bestätigt dies der Augenschein, wie sich Zweifelnde an Ort und Stelle
überzeugen können. Die Platte der Inschrift ist von demselben Material
wie alle anderen Werkstücke des Monuments, zeigt dieselbe Art der
Zubereitung, dieselben Klammer- und Hebelöcher.7) Das sachliche Ver-
richtet war. Ich habe trotzdem Tocilesco ersucht, den Sachverhalt noch einmal nach-
zuprüfen und Hachhausen zu lassen. Danach hat

die 1. Zeile eine Höhe von 350 mm

n 2. „ „ „ „ 300 „

« 3. „ „ „ * 280 „

. 4. „ „ „ „ 250 „

. 5. „ „ . „ 220 „

„ 6. „ „ „ „ 258 „
Von der fünften und sechsten Zeile ist allerdings kein Buchstahe in der ganzen
Höhe erhalten ; aber die Höhe der sechsten Zeile ergibt sich hinreichend durch die
.■rhaltene untere Hälfte des X, welche 139 mm hoch ist, und für die Höhe der fünften
Zeile ergibt sich eine Maximalgrenze, da die Buchstabenenden unten nicht in einander
übergehen dürfen. Wie verschiedene zeichnerische Reconstructionsversuche lehren, die
mir Tocilesco einsandte, kommt man immer auf eine grössere Höhe für die
sechste Zeile.

Zur Sache darf ich aus einem Briefe Theodor Mommsens mittheilen:
„Der Text der Inschrift kam sicher von Rom und sollte wohl auf beiden
Fronten stehen; bei der Grösse der Schrift, die der Aufstellungsort fordert, wird dies
nicht ausführbar gewesen sein und so half sich der Militärarchitekt mehr als Militär,
denn als Architekt; er stellte damit angemessen die Harmonie der Inschrift her mit
den Sculpturen. — Niemanns Beobachtung über die Grössenverhältnisse von Z. 5. 6
stützt, wie mir scheint, seine Vennuthung über die Theilung derselben sehr ent-
schieden. Es lag dann nahe, um den äussern Schein zu wahren, auch in der zweiten
Hälfte die erste Zeile grösser zu nehmen."

7) Nicht ohne Interesse sind die Missverständnisse, durch die Furtwängler aus
technischen Gründen die Inschriftplatte dem Baue absprechen möchte. Sie ist weniger
stark als andere Seiten des Sechsecks, die aus mehreren Platten zusammengesetzt
waren, und dieser Unterschied begreift sich, da jene Platte die Inschrift tragen
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