Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 191
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über Wasser halten, dass an dem vermeintlichen Siegesmale des Licinius
Crassus nachtragsweise ein Siegesmal Kaiser Trajans aufgeheftet worden
sei. Aber auch diese Hilfe zerschellt. Wie und wo ein solcher monu-
mentaler Parasit auf der Höhe des geschlossenen Baues möglich war,
ob er militärischer Sitte, römischem Stolze entsprach, ob ein in
grossartigen Bauten immer und überall auf Buhm bedachter Feldherr
sich nach denkwürdigen Erfolgen in plötzlicher Unauffälligkeit ver-
ewigen mochte, alle diese schmerzlichen Fragen könnte man ruhig über-
gehen und getrost dem weiteren Spürsinne überlassen. Denn die Haupt-
sache, welche Furtwängler beseitigen wollte, bliebe bestehen und würde
bestätigt: das monumentale Schriftzeugnis für einen trojanischen Sieg
in der Dobrudscha vor dem Jahre 109, also in den Zeiten der daci-
schen Kriege.

Doch ich fürchte in so umständlichen Erörterungen klar liegender
Dinge längst der besseren Einsicht unseres Kritikers zu nahe getreten
zu sein und zweifle keinen Augenblick, dass er seine rasche Aufstellung,
die in Rumänien und wohl nicht dort allein Ärgernis über die Weise eines
deutschen Archäologen erregt, in Wahrheitsliebe wieder zurückziehen
werde. Ich verzichte daher auch darauf, seinen positiven Anläufen
polemisch zu folgen und namentlich die Fertigkeit zu beleuchten, mit
der er das in unserer Publication beigebrachte, von ihm selbst nicht
vermehrte Beobachtungs- und Erklärungsmaterial wie durch ein Ka-
leidoskop im Handumdrehen ein neues Bild bieten lässt. Zur Erhärtung
des Gesagten verweise ich ein paar Stichproben in die Anmerkung.8)
Das Schlusswort lasse ich lieber einigen sehr beredten Steinen, die uns
ein günstiges Geschick nach dem Erscheinen der Publication, wie eine
Belohnung, bescherte.

Zweihundert Meter östlich von den Trümmerinassen des Tropae-

s) In den erhaltenen Metopen kommen, vom Kaiser abgesehen, 72 Rümerfiguren
vor, sie sind aber so verstümmelt und zerstört, dass sich bei höchstens 20 ein Urtheil
gewinnen lässt, ob sie bärtig oder unbärtig waren. Einer von diesen 20 hat deut-
lichen Bart. Bei diesem Erhaltungszustande bezeichneten wir es als möglicher Weise
zufällig, dass Bartlosigkeit vorherrsche, die auf der Trajanssäule nichts weniger als
Regel sei. Daraus macht Furtwängler: „auf dem Denkmal von Adamklissi sind alle
Römer immer unbärtig, d. h. rasirt". — In den Metopen tragen die Legionare Arm-
schienen, die man in römischer Armatur früher nur bei Gladiatoren kannte. Ich wies
sie in einer Stelle Ciceros, auf drei militärischen Grabsteinen des ersten Jahrhunderts
n. Chr. und einem Waffenrelief trajanischer Zeit im Berliner Museum nach. Dies
resumirt Furtwängler, um ein Argument für den augusteischen Ursprung des Monu-
ments zu gewinnen, folgendennaassen: die Armschienen „müssen nach einem Aus-
drucke Ciceros zu seiner Zeit für die Schlachtriistung charakteristisch gewesen sein,
während sie in der spätem Kaiserzeit offenbar aus der Schlachtrüstung verschwunden
sind."

Archüulogisch-epigraphisehe Mittheilungen XIX, 2. 13
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