Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 192
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Umbaues entfernt, erhob sich dritthalb Meter hoch ein isolierter Tumulus,
den Tocüesco im Verein mit dem Architekten Heinrich Jacobi ausgrub.
Als Kern stellte sich ein quadratischer Mauerbau von 10-36 m Seiten-
länge heraus, zu dem Stufen allseitig hinaufführten. Die Mauern waren
mit Platten verkleidet, auf denen in Columneu zahlreiche Soldatennamen
aufgesehrieben sind, und zwar von einander gesondert Praetorianer und
Legionare auf der Hauptseite, anderseits Auxiliartruppen. Nach den
Bachstabenformen und den Zierformen der Werkstücke ist der Bau,
wie die Untersuchenden in zeichnerischen Aufnahmen festlegten, dem
Tropaeum gleichzeitig; ihre Ergebnisse wird das folgende Heft dieser
Zeitschrift ausführlicher mittheilen. Auf der Hauptseite des Denkmals
aber stand, Uber die Golumnen der Soldatennamen hinweglaufend, in
grösseren und grössten Lettern folgende Überschrift, die ich aus den
im Druck befindlichen Nachträgen des Corpus inscriptionum nach gütiger
Einwilligung Theodor Mommsens mit seinen Ergänzungen hersetze:

I\mp. [Caes. divi Nervac f.

Netra Traianus Aug. Germ.

Dacicus tri]b. pot. [XIII cos. V p, p.
in honorem et] memoriam fortis [simorum virorum
qui pugnantes] pro re publica) morte occubu[crunt bell\o [Dacico],

Das Monument war mithin ein gleichzeitiges kaiserliches Ehrendenkmal
für gefallene Krieger, und ihre Namen und Heimathsbezeichnungen
schliessen die Zeit vor den Flaviern aus. Durch den genau gegebenen Baum
Hess sich die Zald der Namen annähernd berechnen, und diese Zahl führt
auf eine Schlacht, in der die genannten Soldaten den Tod fanden. Die
Beste der Titulatur gestatten an sich keinen Schluss auf den Namen
des Kaisers und noch weniger auf die Ausgestaltung der Titulatur; aber
ohne irgend welches Bedenken nimmt Mommsen gemäss der Haupt-
inschrift des Tropaeum dafür Trajan und das Jahr 108/9 an. Dass für
die Ergänzungen damit nur dem Sinne, nicht dem Wortlaute nach, ein-
gestanden wird, versteht sich von selbst.9)

Furtwängler freilich, der von diesem Denkmal durch Theodor
Mommsen eine vorläufige Kunde erhielt und dessen Ergänzungen, wenn
auch mit etwas widerwilliger Bedingtheit, gelten Hess (S. 57, 1), glaubte
darauf aufmerksam machen zu müssen, es sei „über den oder die Orte, wo
die Krieger fielen" nichts ausgesagt. Ja er legt dieser seiner Beobachtung
so grossen Wert bei, dass er sich nicht an einmaliger Anführung ge-
nügen Hess und sie zweimal aussprach. Natürlich hat er damit vollständig

a) Vgl. Gr. G. Tocüesco und E. Bonnann in den Verhandlungen der Pliilo-
logenversammlung zu Köln, Leipzig 1896, S. 191—200.
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