Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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wissheit, da er von derartiger Tragweite war, dass Trajan ihn durch,
ein besonderes, in jedem Betracht ausserordentliches Siegesmal, das
nach dem Untergange der Donaubrücke als einziges Bauzeugnis für die
dacischen Kriege ausserhalb Italiens dasteht, der Verewigung wert
fand. War der Sieg aber auf der Säule dargestellt, so kann dies, eben
seiner monumental bezeugten Bedeutung wegen, nur in auszeichnender
Weise geschehen sein. Auf der Säule sieht man nun sehr viel Schlachten
dargestellt, aber eine einzige allein, in der Trajan selber kämpft, wäh-
rend jeder Kampf sonst ohne sein unmittelbares Eingreifen sich abspielt.
Hier sprengt er an der Spitze seiner Praetorianer gepanzert in das
Gewühl, um angegriffenen Römern, die in höchster Noth sind, entschei-
dende Kettung zu bringen. Das Ereignis ist also als eine persönliche
Grossthat des Kaisers und als etwas in dem gesanunten Kriegsver-
laufe Einmaliges herausgehoben. Diese Umstände erwecken ein günstiges
Vorurtheil, wonach zu prüfen ist, ob der gesuchte Sieg sich mit diesem
Schlachtbilde decke.

Das Ereignis fällt in den Beginn des zweiten Krieges, welchen,
anfangs Juni 105 wie die Arvalacten lehren, eine lange, prächtig detail-
lierte Seereise Trajans einleitet. Mit Gardeinfanterie und -cavallerie geht
die kaiserliche Elotte von Ancona nach der Landenge von Korinth, wo
der Kaiser in Lechaion landet, in der Stadt Korinth einen Empfang hält
und zu einem Opfer im isthmischen Heiligthum rasch wallfahrtet, um
sich in Kenchreai wieder einzuschiffen. Seine Fahrt ist demnach, da
nur Europa in Betracht kommt, nach dem Osten der Balkanhalbinsel
gerichtet. Macedonien als Zielpunkt ist ausgeschlossen: um etwa von
Thessalonich an die später dargestellte Donaubrücke zu gelangen,
wäre der Curs von Ancona nach Korinth ein toller Umweg, und
Trajan hat grosse Eile, wie ein längst bemerkter, sinnreicher Zug
auf der Wallfahrt nach dem Isthmusheiligthume — die mit fliegendem
Gewand vordrängende Haltung seiner Gestalt, die sonst immer in ruhiger
Würde schreitet — unzweideutig zu verstehen gibt. Übereinstimmend mit
der Exilreise Ovids, welche von einem Hafen der oberen Adria über
Korinth und Samothrake durch das Hebrusthal nach Tomis am schwarzen
Meere geht, sind also die folgenden Scenen in Thrakien oder Unter-
mösien zu suchen. Damit tritt aber das in Frage stehende Schlachtbild,
auf das man bald darauf stösst, wirklich als der gesuchte Dobrudscha-
sieg in Sicht, und nichts widerstreitet dieser Auffassung, manches begünstigt
und verstärkt sie in den weiteren Localschilderungen, wofür sichere
Namen allerdings nicht zu gewinnen sind.

Nach Korinth kommt Trajan in eine grosse griechische Küsten-
stadt (Byzanz? Trajanopolis an der Hebrusmünduug?). Er landet mit
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