Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

Seite: 197
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Adamklissi und die Gründung von Nikopolis verewigte, beenden diesen
Feldzug, nach dem er sich in Obermösien der Hauptaufgabe zuwendet.

Ich wiederhole, behaupten konnte und kann ich nicht mehr, als
dass ein solcher Hergang der Dinge in sich möglich sei, und als
'denkbar, wenn auch nicht gerade wahrscheinlich' bezeichnet ihn
Petersen selbst. Dabei könnte ich mich beruhigen. Denn, was er im Sinne
einer Entgegnung weiter ausfuhrt, dass die Dacier, wenn sie dem
Angriff Trajans zuvorkommen wollten, schwerlich einen so weit ausho-
lenden Schlag über die untere Donau hinüber geführt hätten, während
der Feind eine auf ihr Centrum führende Brücke zum Angriff bereit
hatte, und dass die Römer sich einem solchen dacischen Angriffe gegen-
über schwerlich in die Defensive gesetzt hätten, erweist sich nicht als
haltbar. Die nach dem bisherigen AVissen befremdende Thatsache, dass
Trajan in den dacischen Kriegen einen offenbar schweren, weil mit so
grosser Wucht verherrlichten Sieg in der Dobrudscha errang — dass
er vor die dacischen Kriege fiele, wie Petersen meint, ist u. a. darum
ausgeschlossen, weil ihn die Lobrede des Plinius auf Trajan (Sep-
tember 100 ) nicht hätte übergehen können—hat eben zur Voraussetzung,
dass der Feind hier über den Strom gekommen war, um die Offensive zu
ergreifen. Mit jener Thatsache ist diese Folgerung, ohne die sie unver-
ständlich wäre, als etwas Nothwendiges gegeben. Kurz, man mag über
den mitgctheilten Erklärungsversuch, der noch durch keinen besseren
ersetzt ist, denken wie man will: er hat nach der Lage der Dinge, die
ich nicht ändern kann, Anspruch darauf, nicht stückweise, sondern
als Ganzes geprüft zu werden.

Drei Einwände allerdings sind es, die Petersen für entscheidend
hält, und die eine Erwiderung fordern.

Erstlich, dass die Erzählung des Säulenreliefs von der Dobrudscha
zur Donaubrücke einen Sprung machen solle, der so gross sei wie der
Abstand von Rom und Mailand. Das klingt verwunderlich in der That;
aber wäre es mehr als ein philologischer Scrnpel. der die Natur zeich-
nerischer Schilderungen misskennt und von jedem Illustrator zurück-
gewiesen werden müsste? Wenn die in continuierlicher Darstellung
fortschreitende Dichtung von Act zu Act. von Eomancapitel zu Roman-
capitel, ohne Übergang, weite Zeit- und Raumabstände überspringt und
überspringen darf, wie Hesse das gleiche Recht sich einein Zeichner ab-
sprechen, der nach den Gesetzen seiner Kunst an ein Nebeneinander
gebunden ist und im Grunde mit jedem Nebeneinander, durch das er
die Abfolge räumlich fortlaufender oder räumlich getrennter Vorgänge
veranschaulicht, springt und sogar springen muss. Wie weit der Sprung
reicht, ist völlig gleichgiltig, und nach dem Grunde, warum er erfolgt,
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