Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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besserungsarbeiten führen würde. Auch seien die Wälle der Do-
brudscha, wie wir seihst angäben, in verschiedenen Epochen nach-
einander angelegt und befänden sich überdies 'etwa 80 Kilonieter
vorwärts des Tropaeum, so dass dieses gar nicht auf der Kampf- und
Siegesstätte errichtet worden wäre.' Aber diese Entfernungsangabe ist
fast um das doppelte zu hoch gegriffen, und verschiedene Epochen gäbe
es logischer Weise wohl auch vor Trajan. Doch will ich diese Ver-
schiedenheit der Epochen, von der wir im Beginne der Puhlication
nebenher nach Überkommenen Anschauungen sprachen und die Petersen
deshalb ein Recht hatte, auch auf nachtrajanische Zeit zu beziehen, gar
nicht halten, sondern lieber hervorheben, dass uns über Entstehung und
Construction dieser Wälle zuverlässiges Wissen noch durchaus abgeht,
h) einer gewiss verdienstlichen, aber nicht länger als neuntägigen Re-
Cognoscierung hat C. Schuchhardt ihren ungefähren Verlauf verzeichnet,
durch Grabungen ist noch nichts untersucht, keines der zahlreichen
Standlager, die sie besäumen, blossgelegt. Tocilesco sagt, dass er kürzlich
die Spur eines vierten Walles daselbst verfolgt habe. Ehe also die in
Deutschland mustergiltig begonnene Limesforschung nicht auch hier
einsetzt, wissen wir nicht viel mehr, als dass diese Wälle den Namen
Trajans tragen und haben vor der Hand kein Recht, in Abrede zu
stellen, dass sie in der fraglichen Abbreviatur des Schlachtbildes der Tra-
janssäule gemeint sein können. Wie weit sich eine schwere Entscheidungs-
schlacht von ihnen hinweg ins Land hinein erstrecken mochte, ist natürlich
nicht zu bestimmen, die Möglichkeit selbst weder zu bejahen noch zu
verneinen. Schon manchem Besucher der Dobrudscha vor uns, so den
preussischen Officicren, die Adamklissi entdeckten, drängte sich eine
Beziehung des Monuments zu den Trajanswällen als natürlich auf. und
wie bestimmt würden sie dieselbe ausgesprochen haben, wenn sie um das
grosse Tropaeum gewusst hätten. Sicher ist jedesfalls. und dies genügt

was ich ja im Bildwerke selbst vor mir sali, nicht unbekannt war. dass die Praetorianer
nicht allein, sondern in Verbindung mit den Truppen der Provinz, den Feldzag
durchführen. Woher weiss aber Petersen, dass die Praetorianertruppe, die der Kaiser
niit sich führte, nur aus ein paar Cohorten bestand? Doch nicht etwa deshalb, weil
die bei Ancona dargestellte Flotte nur aus drei Schiffen bestand? In dringender
Gefahr werden wohl alle verfügbaren Praetorianercohorten herangezogen, und schon eine
geringere Zahl, selbst nur die Hälfte, repräsentierte mit der zugehörigen Cavallerie
ein stattliches Corps, das sich theilen konnte. Die Strasse über das hohe Gebirge
aber wird keineswegs erst gebahnt, es wird an ihr gearbeitet: die Scene ist nicht
mehr als eine künstlerische Sprachformel, um auszudrücken, dass der Zug über
schwieriges hohes Gebirge hinweg geht, wobei Geniearbeiten überall vorkommen.
Jn dem nämlichen Sinne wird beispielsweise das Bild der grossen Donaubrüeke
gegeben und durch folgende und vorhergehende Scenen klargestellt, dass man sich
einen Zug über sie vorstellen solle.
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