Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 19.1896

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vollauf, dass die Wahl des Platzes für die Trophäe zunächst durch
die Quelle von Adamklissi bedingt war. Das Thal, in das die Quelle
abrinnt, hatte an ihr einen kostbaren Vorzug in dem wasserlosen Ge-
lände und wird deshalb von jeher ein Dorf besessen haben, seit die
Dobrudscha besiedelt war. Dies Dorf ward unter Trajan, eben dieser
Quelle wegen, ein Römerort und in ihm lag das Militär, welches
das Monument in der Richtung auf die Trajanswällc hin erbaute. Alles
Nähere wussten sich die alten Römer ohne weiteres zu deuten, und wir
haben heute kein Mittel, aber auch keinen Anlass, uns ihre Köpfe
darüber zu zerbrechen.

Am ausführlichsten trägt Petersen einen dritten Haupteinwand
vor: die ganze Scenenreihe, in der das Bild der Kaiserschlacht vor-
kommt, sei in anderer Richtung zu interpretieren und dann würden die
Landwälle, die ich mit denen der Dobrudscha identificierte, vielmehr
auf dem linken Donauufer, in Dacien, zu suchen sein. Indessen ist,
meine ich, leicht zu zeigen, dass die künstliche Construction, in die
man sich hineindenken soll, demjenigen widerspricht, was der Urheber
eines langen Friesstreifens allein wollen kann.

Die Composition des Streifens beginnt am Fasse der Säule und
steigt ohne Unterbrechung in der Richtung nach rechts aufwärts.
Der Betrachter wird also in der Richtung nach rechts von Scene
zu Scene geführt und hat die Absichten der gewählten Abfolge zu cr-
rathen, muss aber diese Abfolge selbst als ein streng gewolltes Nach-
einander hinnehmen, das er als solches zu beachten habe; denn ohne
dieses Vertrauen wäre er reiner Rathlosigkeit preisgegeben und alle
Möglichkeit vernichtet, überhaupt verstehbar zu erzählen. Petersen ver-
langt nun. dass der nach rechts vorschreitende Betrachter an einer be-
stimmten Stelle halt mache und mit einem plötzlichen Satze sieben Scencn
überspringe, um diese von ihrem Ende her nach links hin abzulesen.
Für ein solches 'Vertc' hat aber kein wie immer gearteter Fries einen
bildlichen Ausdruck, höchstens ein inschriftlicher Vermerk könnte der-
gleichen zuwege bringen. Ich brauche in die schwer verfolgbaren
Details1S) des ganzen Versuches nicht einzugehen, er widerlegt sich

12) Die Details sind so verwickelter Xatur, dass es einiger Denkanstrengung
bedarf, um klar zu fassen, was Petersen meint. Aus seiner Darlegung las freilich
Furtwängler, im Lesen wie im Sehen gleich flüchtig wie immer, das gerade Gegen-
theil des Gemeinten heraus, und in einem Athem fand er mit unfreiwilliger Komik
Petersens Deutung 'einleuchtend', 'scharfsinnig' und 'sehr wahrscheinlich'. Gewiss ein
seltenes Talent durch Zustimmung zu widerlegen. Petersen wollte, der natürlichen
Scenenfolge des Reliefbandes entgegen, das Schlachtbild vom rechten Donauufer, auf
dem es allein gesucht werden kann, hinüber nach Dacien verlegen und vermuthete
in den Landwällen des Schlachtbildes Thalsperren, gegen das ßergland am eisernen
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