Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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geführt haben muss. Denn er wird auch der quidam sein, qui tunc (im
Anfange des J. 97 oder in den letzten Monaten 96) ad orientcm53) am-
plissimum exercitum non sine magnis dubiisque rumoribus obtinebat
(Püning epist. Villi 13, 11). Die in diesen Worten angedeutete, zwischen
dem syrischen Statthalter und der Regierung des Nerva bestellende
Spannung würde sich bei Iavolenus Priscus, der offenbar der Gunst
Domitians sich in hohem Grade erfreut hatte und als Jurist an der
Spitze der Sabinianer stand, während Nerva ebenso wie sein Vater und
Großvater der Schule der Proculianer augehörte, leicht verstehen.8i)

Mögen diese Ausführungen das Richtige troffen oder nicht, jedenfalls
darf der Brief des Plinius II 13 nicht für die Zeitbestimmung der
pannonischen Legation des Neratius Priscus verwertet werden. Unsicher
bleibt bei der letzteren, ob Neratius noch vor der Theilung der Provinz
in P. superior und inferior, die in das Jahr 106 oder 107 gesetzt wird
(Liebenam 326), einen Nachfolger erhalten hat oder ob er der letzte
Legat der ungetheilten Pannonia gewesen ist.35)

Liebenam führt S. 332 eine Reihe von Statthaltern auf, welche
in der Zeit nach der Theilung Pannoniens die beiden vorübergehend
wieder vereinigten Provinzen, superior und inferior, gleichzeitig verwaltet
haben sollen. Doch in keinem einzigen der von ihm angeführten Fälle
ist die Thatsache der gleichzeitigen Verwaltung gesichert, in einigen
sogar schlechthin ausgeschlossen.38) In Wahrheit ist bis jetzt kein Fall
einer Wiedervereinigung Gesammt-Pannoniens unter einem Legatus pro

schwerlich einwenden dürfen (ebenso nennt er z. B. den Iulius Servianus III 17, der
doch schon um 47 geboren war, und Pomponius Bassus IUI 23, der schon um 92
Consul war); ebensowenig, dass eine sonstige Correspondenz des Plinius mit Iavolenus
Priscus nicht nachweisbar sei; denn dasselbe gilt auch von Neratius Priscus, an
welchen kein einziger plimanischer Brief in der uns erhaltenen Sammlung gerichtet ist.

33) Es ist doch jedenfalls das Nächstliegende, bei dem Worte Orlens an Syrien zu
denken, nicht an Cappodocien, dessen Legat (damals Pomponius Bassus), übrigens
auch ein weit schwächeres Heer, als das syrische war, commandierte.

34) Dass Nerva trotzdem den Priscus in der ihm von Domitian übertragenen
Statthalterschaft beließ, ist mit der durchaus versöhnlichen Richtung seiner inneren
Politik vollständig im Einklang.

35) Vgl. Marquardt Staatsverw. I2 292 f. Einen weiteren Anhalt zur Entscheidung
dieser Frage hätten wir, wenn das neugefundene Militärdiplom von Brigetio (Archaeolog.
Ertesitö 1893 p. 3101), ausgestellt am 12. Januar des J. 105, vollständig erhalten wäre.

36) Liebenam zählt auf:

1. Ti. Claudius Quartinus; in der diesem Manne gesetzten, nur handschriftlich
überlieferten Inschrift aus Lyon ist von einer Legation in Pannonien (vor der
Präturü nach Liebenam S. 225) gar keine Rede, die betreffende Stelle vielmehr zu
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