Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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zu Pannonia superior gehört haben. Die Garnisonen von Crumerum,
Coh. V Gallaecorum Lucensium eq. (C. III 3662. 3664) und von Cirpi,
Coh. II Alpinorum eq. (C. III 3646. 3647 = S. 10589) unterstanden
nach den Diplomen aus der Zeit des Hadrian und Pius dem ober-
pannonischen Legaten. Erst durch die Zutheilung der legio I adiutrix
in Brigetio an das Commando der P. inferior durch Caracalla ist hier
die Grenze der unteren Provinz wesentlich nach Westen vorgerückt
worden. 0. Julius Commodus Orfitianus ist zweifellos identisch mit dein
Commodus Orfitianus, der im J. 161 oder kurz vorher67) Curator operum
publicorum war (C. VI 1119 5). Nach diesem städtischen Amte war er
legatus Aug. pro pr. Syriae Palaestinae; denn in der dem L. Verus
gesetzten Inschrift aus Jericho (0. III S. 6645) wird in der letzten
Zeile sein Name herzustellen sein, etwa \sub Iulio Com]modo co(n)s(u!ari).6s)
Diese Statthalterschaft fällt, da dem Verus noch die Siegesbeinamen
(Armeniacus u. s. w.) fehlen, in die erste Zeit der Regierung der divi
fratres, wozu stimmt, dass der College des Commodus in der Cura
operum publicorum schon vor Beginn des Partherkrieges Legat von
Moesia inferior war ('s. unten bei Iallius Bassiis).

Nach Syria Palaestina hat er dann, wohl als Vorgänger (oder als
Nachfolger?) des Iallius Bassus Pannonia superior verwaltet.

Die Stufen seiner Laufbahn, soweit sie uns bis jetzt bekannt
sind, waren danach etwa folgende:

Leg. Aug. pro pr. Thraciae unter Pius etwa 153 ff.09)

67) Da die beiden Curatoren Iallius Bassus und Commodus Orfitianus den Platz
nur adsigniert hatten, brauchen sie zur Zeit der am 14. December 161 erfolgten
Dedication des Denkmales nicht mehr im Amte gewesen zu sein.

08) Die Münze von Seleucia Pieria mit der Aufschrift Eni KOMOAOY . HUP
kann sich unmöglich auf Iulius Commodus beziehen, wie meist angenommen wird
(vgl. Klein, Rhein. Mus. 35, 1880 S. 317 ff.); denn falls hier die 188 Jahre nach der
actischen Aera gezählt sind, würde Commodus imJ. 157 Legatus pro pr. Syriae gewesen
und erst vier Jahre später zur Cura operum publicorum gelangt sein, welche Reihen-
folge der Ämter in dieser Zeit unmöglich ist. Aber es steht nicht einmal fest, ob
der Jahrzählung die actische Aera zugrunde liegt (vgl. Kubitschek Pauly-Wissowa I
649 Zeile 9 ff.) und nicht vielmehr die Freiheitsära der Stadt Seleukeia vom J. 109
v. Chr. Jedenfalls ist die Münze für die Bestimmung der Laufbahn des Commodus
Orfitianus nicht zu verwerten.

09) Nach Münzen von Perinth, Anchialus, Topirus mit dem Kopfe des Pius und
der Umschrift auf der Rückseite: HrE IOY KOMMOAOY, welche Klein a. a. 0. richtig
auf ihn bezogen hat; vgl. noch Beschreibung des Berliner Münzcabinets I p. 237 n. 1—4;
Katalog des britischen Museums Thrace p. 116 n. 2 (von Hadrianopolis); p. 175 n. 4.
Vielleicht nennt ihn als Statthalter Thraciens auch die verstümmelte Inschrift AEM.
XIV 1891 p. 151 n. 30 (.....MOAOY IIPE.....AN____). Seine thracische Statthalter-
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