Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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getroffen wird über die Erbschaft des verstorbenen Valerianus centurio
cohortis duodecimae Älpinorum. Dass hier die Nummer der Cohorte nicht
richtig überliefert ist, kann keinem Zweifel unterliegen (cf. Mommsen
Eph. ep. V p. 176), es dürfte zu lesen sein: 7 COH < II - ALPIN, statt
7 COH * II * ALPIN, wobei X aus dem etwas zu groß ausgefallenen
Interpunctionszeichen hinter COH entstanden sein wird. Da diese
Cohorte bis auf Caracalla zum oberpannonischen Heere gehörte87; und,
wie aus dem Inhalte des Rescriptes hervorgeht, damals dem Fabius Cilo
unterstanden haben muss, so war dieser bereits Ende des J. 197 Legat
von Oberpannonien. Wenn Cilo damals bereits diese wichtige Provinz
innehatte, wird es auch verständlich, warum er nicht im Herbste des
j. 197 den Kaiser auf dem orientalischen Feldzuge begleitete;88) bei
der mehrjährigen (197—202) Abwesenheit in Syrien, Mesopotamien und
Ägypten war es für die Sicherheit von Severus' eben erst befestigtem
Regiment von höchster Wichtigkeit, das bedeutendste Militärcommando
in den Händen eines Mannes zu wissen, dem er unbedingt vertrauen
konnte. Vielleicht ist aber die Übertragung der oberpannonischen
Legation an Cilo bis in den Anfang des J. 197, bez. den Winter 196/97
hinaufzurücken. In der zweiten Hälfte des J. 196 erhob Severus, auf
dem Marsche zur Bekämpfung des Albinus begriffen, seinen ältesten
Sohn zum Caesar und imperator destinatus; dies geschah zu Yiminaeium,89)
der Hauptstadt von Moesia superior, welche Provinz damals Fabius
Cilo verwaltet haben muss. Während des Krieges mit Albinus hat sich
Caracalla in Pannonicn befunden; denn eine nach dem Siege über den
Gegenkaiser vom Senate abgeordnete Gesandtschaft suchte ihn in dieser
Provinz auf.90) Es liegt sehr nahe anzunehmen, dass er in dieser Zeit

87) Vgl. die Diplome der Jahre 133. 148. 149. 154; die Cohorte hildete die
Garnison von Cirpi, s. oben S. 28.

88) Schiller, ROm. Kais. Gesch. I 719 nimmt dies freilich an; aber die Stellung
als Comes des Severus, welche die Inschriften nennen (comiti Http. L. Septimi Severi
Pii Pertinacis Aug. Arab. Adiab. p. p. C. VI 1408; comiti Augg. C. VI 1409) hatte
er inne bei dem Zuge gegen Pescennius Niger, wie sich aus der zeitlichen Anordnung
in der zweiten Inschrift ergibt, vgl. Dessau zu 1142 adnot. 3; als solcher commandierte
er auch zeitweilig in Perinth. Dass der Plural Augg. (1409) nicht nothwendig auf die
Zeit zu beziehen ist, in welcher Caracalla den Augustustitel besaß, zeigt hier schon
der Unistand, dass Cilo gleich darauf auch leg. Augg. pro pr. prov. Galatiae heißt,
obwohl er diese Provinz nur unter Cominodus, also unter einem Augustus, verwaltet
haben kann.

88j Vita Severi 10, 3; vgl. v. Rohden, Pauly - Wissowa II Sp. 2440, 17 ff.
auch über das Datum, welches von Ceuleneer Essai p. 96 zweifellos zu früh, vor den
30. Juni d. J. angesetzt wird.

»°J C. VIII 7062 = Dessau n. 1143. Diese Gesandtschaft kann nicht vor die
Besiegung des Albinus, also noch in das J. 196 fallen, sondern erst nach der Ent-

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