Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 125
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Xe^eaat tw (iwouijivip.53) Dieser mündliche Contract mit Zeugen wird
von Theophrast § 4 der Eintragung- in öffentliche Bücher an Rechts-
kraft vollkommen gleichgestellt (xopta Ss r\ üivq 7.7.1 rt Tupöat« sie |iev rrjv
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opxov Tj toIc fsitoat to yifVGpvevov), wie ja auch in Athen noch später
mündliche Verabredung vor Zeugen rechtliche Giltigkeit hatte.54) Das
Recht von Thurioi wurde in dieser Beziehung sicherlich von den Gesetzen
des Zaleukos, welche es übernahm.55) beeinflusst, da letztere schriftliche
Contracte nicht anerkannten, sondern nur das vor Zeugen abgeschlossene
Geschäft.50) Auch in dieser Hinsicht darf man daran erinnern, dass,
worauf bereits Headlam 51. 60 ff. hinwies, nach den germanischen
Rechten die Übertragung von Grund und Boden in ganz derselben
Weise vor Zeugen vorgenommen ward, bis auch da die Urkunde ein-
drang.57) Eine Erscheinung ist dabei von Bedeutung, dass später unter
den zur Zeugenschaft fähigen Personen ein engerer Kreis bestimmt
wird, als ständige Zeugen, aus welchen die Parteien bei dem Abschluss
von Rechtsgeschäften ihre Zeugen auszuwählen hatten; so war es bei
den Angelsachsen seit König Edgar und in den deutschen Stadtrechten
des Mittelalters (in denen sie denominati heißen) der Fall.58) in einer
ähnlichen Einrichtung sehe ich die Wurzel des Mnemonats bei den
Griechen; die Mnemonen sind zu Anfang ständige Zeugen gewesen,59)

53) Dazu Thalheini 1. 1. 85, Franz Hofmann, Beiträge zur Geschichte des grie-
chischen und römischen Rechts (Wien 1870) 81. 91, Guiraud, La propri^te' fonciere
en Grece 268. Nachbarzeugen treten noch viel später hei Grundveräußerungen in
Mylasa und Olymos auf, Lehas-Waddington As. min. n. 337. 415, Bull, de corr. hell.
XII 25 f. n. 9.

m) Lipsius, Att. Proc. 679.

86) Nachgewiesen von Busolt, Griech Gesch. III 1, 534 ff.
5C) Eduard Meyer, Gesell, des Alterth. II § 361 und Wunderer im Piniol. N. F.
X 172 ff.

57) Vgl. zu den von Headlam angezogenen Stellen der Volksrechte nach Siegel
a. a. 0. 196. 200, v. Amira S. 167 ff., Schröder a. a. 0. 61. 270. Charakteristisch
ist, dass die Zeugen für die Übernahme der Zeugenschaft öfter einen Entgelt bekamen
(s. Schröder S. 84, Note 11).

58) Reinhold Schmid, Die Gesetze der Angelsachsen 2 197 (und Einl. XLIX).
Dazu Brunner, Die Enstehung der Schwurgerichte 399 und v. Amira 1. 1. 169.

») 'Officielle Gedächtniszeugen'(Mitteis 172).
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