Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 131
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1897/0139
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
von Ernst Fabricius,81) welche mit der zuverlässigen Feststellung des
thatsäcblichen Bestandes die Grundlage für die historische Verwertung
des Monuments gegeben hat. In dieser Hinsicht fördert nicht bloß die
neue Lesung der Überschrift,82) sondern mindestens in gleichem Maße
die überzeugende Einfügung des bei Diodor (XI 33. 2) Uberlieferten
Epigramms in die übrige historische Überlieferung — gegenüber den
Zweifeln, welche Frick an dessen Echtheit erhoben hatte,S3) und der
Nachweis, dass die eigentliche, von der erhaltenen Überschrift ver-
schiedene Weihinschrift (u. z. zuerst das Epigramm des Pausanias, dann
das an seine Stelle gesetzte Epigramm der Hellenen) auf dem Bathron
des Dreifußes, nicht auf dem Gewinde der Schlangensäule gestanden
habe.84) Man inuss nach dieser Feststellung zugestehen,85) dass Thu-
kydides' Ausdrucksweise (I 132, 2) in ihrer Verkürzung geeignet war,
irrezuführen und der Ansicht, dass das Verzeichnis an Stelle von Pau-
sanias' Epigramm eingegraben worden sei, Vorschub leistete. Dem
gegenüber verdanken wir Fabricius den wichtigen Fortschritt unserer
Erkenntnis, dass die Liste der Städte nicht die Hauptsache, sondern
etwas Secundäres war, welches erst nachträglich und als Ergänzung
hinzugefügt ward; an erste Stelle rückt das Epigramm der Hellenen,
dessen Inhalt die richtige Erklärung für das Verzeichnis gibt. Mit dieser
entscheidenden Feststellung ist aber auch die Frage nach Zweck und
Veranlassung des Denkmals und die damit zusammenhängende nach
dem Grund für die Aufnahme der Städte in das Verzeichnis in neue
Beleuchtung gerückt.

Es ist bekannt, dass Bauer es bestritt,80) dass die herkömmliche
Bezeichnung für die Schlangensäule von Konstantinopel „Weihgeschenk
der Griechen nach dem Sieg von Plataeae" oder „Plataeisches Weih-
geschenk" mit Recht gebraucht werde. Auch nach dem, was Belocfa

SI) Jahrbuch des deutschen archaeologisehen Instituts I (1886) 176 ff. Gerade
die Zurückhaltung, welche sich der Verfasser bezüglich aller Fragen auferlegt, die
über den nächsten Zweck seiner Arbeit humusreichen, erhöht deren Wert.

82) Dielnschrift steht jetzt nach Fabricius'Lesung bei Röhl. Imag. IGA 2X 15 (S.28).

83) Otto Frick, Das plataeische Weihgeschenk zu Konstantinopel (Jahrb. f. cl.
Philo! III. Suppl.) S. 50:', ff.

84) Wie Dethier und Mordtmann, Epigraphik von Byzantion (Denkschriften der
Wiener Akademie, philos.-histor. Classe XIII [ 1864]) 24) annahmen; ihnen folgt
Röhl IGA. Die von Th. Preger. Inscriptiones graecae metricae 74 ff. gegen Fabricius
vorgebrachten Einwendungen vermögen dessen Aufstellung nicht ernstlich zu erschüttern.

85) Auch nach dem. was Fabricius a. a. 0. 181 über den Zusammenhang sagt,
in welchem Thukydides' Meldung steht.

80) Wiener Studien IX (1887) 223 ff. Thumser (C. Fr. Hennanns Griech. Staats-
alterthümer 6 § 35 n. 4) stimmt Bauers Annahme zu.

9*
loading ...