Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 132
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bereits gegen Bauer bemerkte,87) wird eine Erörterung über diesen
Punkt nicht ohne Nutzen sein. Bis zu einer gewissen Grenze hat Bauer
recht, besonders wenn er betont (a. a. 0. 223), dass Herodot nicht
sagen wollte, nur die Theilnehmer an der Schlacht von Plataeae seien
auf dem delphischen Weihgeschenk verzeichnet gewesen; meines Wissens
hat aber von neueren einzig und allein Bri'mdsted an der Anschauung
festgehalten,88) dass auf dem unserem Monument entsprechenden Weih-
geschenk in Olympia — das delphische kannte er noch nicht — nur
diejenigen Staaten aufgezählt waren, welche in der Schlacht von Plataeae
mitfochten. Die Literatur, welche sich mit dem Denkmal auf dem
Atmeidan beschäftigte, hat diese Ansicht fallen gelassen.80) Dagegen
vertritt Bauer den Satz, welchen er aus Thukydides (I 132, 3: tö piv
o5v sXs^stov o;. Aazsocap-övioi l£sv.6Xa'iav su&üi; töte ärco toö TpiTtoSos tcöto
xal Izs'cpaAav bvojtaou lä; rcöXet? oaat io^v,a%-e.\oöaa.i töv ßdpßap&v
saTTjoav tö ava&Tj[ia) folgern will, dass auf der Schlangensäule die-
jenigen Staaten aufgeschrieben worden seien, welche einen pecuniären
Beitrag zur Errichtung des Denkmals leisteten und dass neben der
Kampfgenossenschaft erst die Zahlung eines solchen Beitrags das
Anrecht zur Verewigung auf dem Denkmal verschaffte. Allein sowohl
Herodot IX 81 (ayp/popY)aaVT£<; Ss iä ^p-^p,ata xod Ssy.ocTTjv iesXövtsg
■ctp sv AsX'j&iai defp, äcp1 o zp.Kmc, & ypöasoc; ävsTSab] %tX.) als Ephoros
(Diodor XI 33, 2: oi §' "EXXnjve? 1/ twv Xoroöpcov SexAt^v £4eX6p;evoi
-/.aiEaxsüaaav ^puooöv tpiicoSa wrX.) berichten ausdrücklich90), dass die
Kosten für das Weihgeschenk in Delphi, sowie für die entsprechenden
in Olympia und auf dem Isthmus aus dem Zehnten der Beute von
Plataeae bestritten wurden. p]in Grund an der Richtigkeit dieser Angabe
zu zweifeln,91) liegt umsoweniger vor, als sie durch eine Wendung des
Thukydides I 132, 2 (ov ävsö-eaav ol r'EXX7]Vs? afto twv Myjocov äxpo&iv t&v)
bestätigt wird; wobei es nicht ins Gewicht fällt, dass der Sieg, aus
welchem diese 'Erstlingsgabe' stammt, nicht ausdrücklich genannt wird,
denn derselbe ergibt sicli unmittelbar aus dem Zusammenhang mit dem
Epigramm des Pausanias. Überhaupt scheint der der Aufstellung Bauers
zugrunde liegende allgemeine Gedanke, dass die Griechen Sieges-
denkmäler gewissermaßen cauf Subscription1 errichtet hätten, der Antike
fremd gewesen zu sein (vgl. Beloch a. a. 0.); soweit ich das Material

87) Jahrbücher f. cl. Piniol. 1888, 325.

88) Reisen und Untersuchung-en in Griechenland (Paris 1826) I 101 ff.

89) Frick a. a. 0. 531. 540 ff, Dethier und Mordtmann 1. 1. 24. 26.

90) Darnach auch Cornelius Nepos Paus. 1, 3 : sed priraum in eo est reprehensus,
quod ex praeda tripodem aureum Delphis posuisset etc.

91) Wie Bauer 226 es thut.
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