Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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übertragen.103) Aber auch der Kampf bei den Thermopylen l06) scheint
in der Zusammenstellung nicht berücksichtigt worden zu sein, denn,
wie bereits bemerkt, es fehlen die Arkader, welche dort mitfochten
(Herod. VII 202). Das Gleiche muss man für das Seetreffen von Arte-
mision annehmen,107) da im Gegentheil die Mitwirkung der Lemnier
(Herod. VIII 11) kaum übergangen werden konnte.108)

Steht nun die Thatsache fest, dass das Verzeichnis auf der Schlan-
gensäule nicht die officiellc Liste des Kriegsbundes war. so fällt damit
ein allgemeiner Erklärungsgrund für die Aufnahme oder die Auslassung
einzelner Staaten weg; denn dass der dafür von uns eingesetzte Gesichts-
punkt der Theilnahme an den Hauptschlachten des Krieges im einzelnen
eine gewisse Freiheit, ja sogar Willkür in dem Urtheil offen lässt, ist nicht
zu leugnen. Diese Freiheit der Prüfung und Entscheidung für den einzelnen
Fall muss dem Synedrion der bundesgenössischen Strategen, welchem
jcdesfalls die Zusammenstellung der Liste oblag,1011) zugestanden haben.
Es ist daher auch schwierig, ja kaum möglich zu entscheiden, warum
einige Staaten, deren Mitwirkung an den Schlachten von Salamis und
Plataeae durch Herodot bezeugt ist, in dem Verzeichnis nicht auf-
geführt werden: es sind dies die Paleer auf Kephallenia, Seriphos,
Kroton, Lemnos. Was Pale110) und Seriphos111! anlangt, so haben die

lo:>) Die antike Geschichtschreibung hat allerdings meist die Schlacht von
Mykale in den 'Mederkrieg' (tä MrfiiY.d.) einbezogen und nach der Einnahme von
Sestos den Einschnitt gemacht, so Thuk. I 23, 1. 89 — obwohl sich derselbe, wie

1 118, 2 zeigt, nicht consequent bleibt (P. W. Ullrich, Die hellenischen Kriege 10.
11. 23 ff.) — und Diodor XI 37, 6. Dazu auch Eduard Meyer, Forschungen zur alten
Geschichte I 191.

Welchen G. Rawlinson, History of Herodotus 4 IV 470 dazu zieht.
Il)7) Dieses zieht Frick 1. L 539 bei.

ins) Thuk. I 23, 1 hat die Treffen von Thermopylai und Artemision als nicht
ausschlaggebend angesehen, vgl. Krüger zur Stelle.

109) Dies ist daraus zu schließen, dass der Strategenrath auch die äo:zztla
zuerkannte (Herod. VIII 123). Der Hegemon d. h. Sparta hatte natürlich die Aus-
führung des Beschlusses zu besorgen und zu überwachen (Thuk. I 132); daher erklärt
sich, dass die Inschrift der Schlangensäule in spartanischem Dialekt und Alphabet
aufgezeichnet ist. Dass die Lakedämonier 'die Aufzeichnung der Sieger an der Sieges-
gabe verfügten' (also wohl allein), kann Domaszewski (S. 181) unmöglich zuge-
geben werden.

llü) Bröndsted (a. a. 0. I 107) vermuthete, dass Pausanias auf dem olympischen
Anatbem FAAEIOI statt TAAEIS las (angenommen von Grote Hist. of Greece

2 V 16), was mit der Auffindung des delphischen Denkmals unmöglich ward. Dann
hat Beloch (Bevölkerung der griechisch-römischen Welt 9 und Jahrb. f. cl. Piniol.
1888, 324) die gerade umgekehrte Vermuthung mit Beziehung auf Herodot ausge-
sprochen, dass letzterer TAAEIOI statt FAAEIOI auf dem plataeischen Weih-
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