Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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Vermutbungen der Neueren zu keinem Ergebnis geführt, bei dem man
sich beruhigen könnte. Bei Kroton (Herod. VIII 47) pflegt man die
Nachricht des Pausanias (X 9, 2) heranzuziehen,112) dass die Triere,
welche den Griechen zu Hilfe kam, nicht von dem Staat, sondern von
einem einzelnen Bürger ausgerüstet war, obwohl Herodot, der den Com-
mandanten des Schiffes kennt und über unteritalisch s Dinge gewiss gut
unterrichtet war, nichts von dieser Thatsache meldet, vielmehr nach
seiner Ausdrucksweise die Hilfssendung als von dem Gemeinwesen aus-
gehend ansah. Auch was das lemnische Schiff anlangt, welches bei
Artemision überlief (Herod. VIII 11) und dann bei Salamis mitfocht
i Herod. VIII 82), statuiert man 113^ einen Unterschied gegenüber den
der Aufnahme gewürdigten Teniern (Herod. VIII 82). der aber auf
nichts anderes als auf die Merkwürdigkeit hinausläuft, dass Tenos als
Verdienst angerechnet ward, nur mit einem einzigen Schiffe vertreten
gewesen zu sein. Am ehesten ist den neueren noch beizustimmen,
wenn sie die auffällige Thatsache. dass die Eleier auf dem Dreifuß
erscheinen, obwohl sie zu der Schlacht von Salamis kein Schiff stellten
und zur Entscheidung bei Plataeae zu spät kamen (Herod. IX 77)
— doppelt auffällig, da die Mantineer, welche sich ebenfalls bei Pla-
taeae verspäteten (Herod. a. a. Ö.), nicht aufgenommen wurden —
daraus erklären, dass die verbündeten Hellenen den Bewahrern des
nationalen Heiligthums gegenüber, auf deren Gebiet eines der Sieges-
denkmäler seinen Platz fand, zur Rücksicht verpflichtet Avaren.114)

Viel wichtiger und einschneidender als die eben berührten Fragen
ist die Prüfung der von Domaszewski über die Anordnung der Staaten
in unserer Liste aufgestellte Ansicht115) — die den Mittelpunkt seiner
Abhandlung bildet — umsomehr als sie bereits in die Handbücher über-

geschenk las. Allein abgesehen davon, dass ein Fehler, den man Pausanias ohne
Bedenken zutrauen wird, bei Herodot nicht leicht vorauszusetzen ist, steht und fällt
dieser Punkt mit der Gesammtanschauung Belochs über die Abhängigkeit Herodots
von dem plataeischen Weihgeschenk, welche mir durch Busolt, Griech. Gesell. - II
728 (n. 7) widerlegt erscheint. Domaszewski erklärt (186) das Pehlen der Paleer in
Zusammenhang mit seiner Ansicht über den Charakter des Verzeichnisses.

m) Domaszewski meint (S. 186), dass Seriphos vielleicht nicht autonom war,
Beloch, Jahrb. f. cl. Phil. 1888, 325, dass die Insel an dem Kampfe gar nicht theil-
naum oder vergessen wurde.

112) Frick 1. 1. 535, Busolt Laked. I 389, Beloch, Jahrb. f. cl. Phil. 1888, 325.

113) Frick 536, Busolt, Laked. I 389.

114) Göttling a. a. 0. II 73, Busolt, Laked. I 394, Dittenberger zur Syll.
ii. 1 (Note 9).

"6) A. a. 0. 181 ff.
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