Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 142
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welche sich Athen unterordneten, mit den Mitgliedern des delisch-attischen
Seebundes zusammen; Städte, welche außerhalb dieses Bundes unter der
attischen Hegemonie standen, gab es überhaupt nicht. Domaszewski
ist gezwungen, um seine Ansicht zu retten, in dieser Hinsicht zu An-
nahmen zu greifen, welche aller Wahrscheinlichkeit entgegengesetzt
sind; er muss voraussetzen (S. 183 ff.), dass damals nicht bloß Plataeae,
sondern auch Thespiae, Mykeuae, Melos und Elis Bundesgenossen Athens
waren. Allein dass die Athener vor dem Jahre 459 (Tlmk. I 103),127)
dem Bruche mit Sparta, mit ihrer Symmachie auf festländische Staaten
übergriffen, ist ebenso unbezeugt als unwahrscheinlich. Auf Plataeae
darf man sich in dieser Hinsicht nicht berufen,1-8) denn, abgesehen
davon, dass es Athens Nachbarstadt war (betont bei Herod. VI 108),
nahm es, wie die Entstellung der beiderseitigen Waffenbrüderschaft
lehrt (Herod. VI 108),121') eine Ausnahmsstellung ein; das bundesfreund-
liche Verhältnis beider Staaten dürfte in die Form einer Epimachic
gekleidet gewesen sein.130) Die Frage, ob Thespiae Bundesstadt Athens
war, ist nicht von großer Wichtigkeit. Wohl darf man aber in diesem

wendig ist, möchte ich annehmen, dass die Tilgung von Pausanias' Epigramm und
dessen Ersatz vor dem Herhst 478 erfolgte. In dieser Zeit (vgl. Busolt, Griech. Gesch.
III 1, 65) weihte Pausanias in Byzanz eine Schale von Erz (Herod. IV 81), deren
Aufschrift nach Nymphis von Heraklea hei Athen. XII 536 b lautete (über die sprach-
lichen Formen Th. Preger a. a. 0. n. 100):

Mväfj.' äpETä? avs8-Yjv.E IIooet8aü>vi avaxti
Uauaavca;, «p^iuv EXXaSo; eipuYopoo,

itdvtou hC E5|ewou, Actv.ESaip.dvio; '(ivoq, u:o£
KXeofxßpöxou, äoyaiaq HpaxXeä; *ceve"?-

Ich kann in den gesperrt gedruckten Worten nichts anderes sehen, als eine
Eeplik des Pausanias auf die Widmung des delphischen Dreifußes, in welchem sich
die Hellenen cEXXc$o; säpu)(öpou ocjur?;ps; genannt hatten; war es ihm von ihnen
verwehrt worden, sich auf dem Denkmal der Anführer der Hellenen ('EW-qvmv äpy^q-(c^)
zu nennen, so schritt er dazu, sich jetzt in wahnwitziger Überhebung als Herrscher
von Hellas zu bezeichnen. Anderseits kann dieses Epigramm nicht in die Zeit des
zweiten Aufenthalts des Pausanias in Byzanz gesetzt werden; damals, da er nicht
mehr Obercoinmandant der hellenischen Streitkräfte war, hätte die Prätension äoywv
'EXXdtSo; sich gar zu sehr von der Wirklichkeit entfernt und hart an die Lächerlichkeit
gestreift.

12<) Dazu Busolt, Griech. Gesch. III 1. 297 ff.

n8) Gerade diese Stadt scheint für Domaszewskis Aufstellung von Einfluss
gewesen zu sein.

!20) Dazu Busolt, Laked. I 807 ff. und Griech. Gesch. 2 II 399.

13°) Dies ist aus der Erzählung des Thukydides zu Beginn des zweiten Buches
über den Überfall von Plataeae zu folgern; die Waffenhilfe Athens tritt erst in Kraft,
nachdem das Gebiet von Plataeae durch die Thebaner verletzt worden ist.
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