Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 147
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des argolischen Stammbundes und der peloponnesischen Symmachie war,
da es beiden Staaten gegenüber die Verpflichtung der Waffenhilfe
gehabt hätte und die Argiver und die Spartaner damals die größten
politischen Antagonisten in Griechenland waren. Was Aegina, für welches
letztere Erwägung gleichfalls gilt, anlangt,151) so musste seine Feindschaft
gegen Korinth (Herod. VI 89) es eher auf die Seite von Argos als von
Sparta drängen; man kann sich nicht leicht vorstellen, dass zwei so
entschiedene Handelsrivalen Glieder derselben Bundesgenossenschat't
waren.152) Busolt hat Kleomenes' Einschreiten gegen Aegina im J. 491
(Herod. VI 49. 61. 73) ebenfalls zum Beweise dafür herangezogen, dass
die Insel dem peloponnesischen Bunde angehörte153): allein wenn man
Herodots Berieht liest (e. 49): xai äajievoi rcpoipäaioc brsXdßovco (sc. ol
A&ffjoXv. K ceoiTeovces ts s; rijv SjrapryjV xatTj^öpsov iwv Alifivvjtswv xä. iceitonjxoisv
jcpoSövts? ■rijv cEXXa8a wtX., c. 61: zöxe es tdy KXeopivsa iovta iv r(; AVjiVTj]
v.ai y.oiva fj] KkXi.oi afafra jcpospfaCö(isvov ö Arju.cir//;-o- §i,sßaXe, so niuss
man sagen, dass Busolt selbst früher dieses Vorgehen anders und
richtiger deutete1"'): dass die gegen Aegina erhobene Beschwerde Athens
an Sparta als Prostates von Hellas gerichtet wurde und Kleomenes auf
Grund dieser Stellung die Aegineten wegen Verraths an der gesammten
Nation zur Verantwortung zog. Hätte es sich um eine Execution des
peloponnesischen Bundes gehandelt, so wäre es ganz unmöglich gewesen,
die äeginetischen Geiseln den Athenern in Gewahrsam zu geben ( Herod.
VI 73. 85 ff), anstatt sie in Sparta zu internieren.155) Auch der Medismus

IM) Ed. Meyer (G. d. A. II § 487) setzt den Beitritt Aeginas zum peloponne-
sischen Bunde in die Zeit vor 524, dem Zug der Spartaner gegen Polykrates; er
nimmt an, dass Sparta diese Expedition auf Drängen der Korinther und der Aegineten
unternahm. Allein Herodot. unsere einzige Quelle, erwähnt die Aegineten gar nicht
und spricht allein von den Bitten der Korinther, welche den Anstoß zum Zuge gaben
(III 47). Meyer scheint zu seiner Annahme dadurch gekommen zu sein, dass die
Aegineten später die samischen Ilebellen, die sich in Kydonia festsetzten, vernich-
teten (Herod. III 59); aber dies kann unmöglich als Beweis für seine Voraussetzung
dienen, denn es waren dieselben Leute, welche die Spartaner und die Korinther hatten
zurückführen wollen (vgl. dazu Duncker VI 5 428 n. 1).

lr'2) Die Auskunft, auf welche Duncker VI5 584 verfällt, um die durch Herod.
VI 89 bezeugte Thatsache abzuschwächen, dass die Korinther Athen wider Aegina
Hilfe leisteten, ist recht künstlich; eine andere Erklärung dieses 'Leihgeldes' gibt
Macan a. a. 0. I 347 b.

,r>:») Griech. Gesch. « II 572 (Anm. 4).

I") Laked. I 348 ff. 352 8,); vor ihm schon Otfried Müller, Dorier 1 2 185 und
besonders Grote, Hist. of Gr. 2 IV 244 ff. (auch Duncker VII 5 109 ff.). Vgl. noch
Macan 1. 1. I 308.

1M) Wenn Wilamowitz (Aus Kydathen 115 ff.) mit seiner Ansicht, Athen sei nach
der Vertreibung der Tyrannen durch die Spartaner in den peloponnesischen Bund

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