Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 148
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von Aegina weist auf ein Wiedererstarken des Einflusses von Argos bin.
Endlich leisteten die Argiver den Aegineten, wie schon früher einmal,156)
in dem wieder ausgebrochenen Kriege mit Athen im Jahre 4 8 8/7 157)
zwar des voraufgegangenen Zerwürfnisses halber nicht von staatswegen,
aber durch Freiwillige kräftige Hilfe (Herod. VI 92), was doch schwerlich
stattgefunden hätte, wenn die Aegineten im Bunde mit ihren ärgsten
Feinden waren.

Aber selbst, wenn man die obige Argumentation verwirft und an
den Ansätzen Dunckers festhält, Uber welche hinaufzugehen schwerlich
rathsam ist, nach denen Aegina um 516, zu gleicher Zeit mit Megara,
in den peloponnesischen Bund eintrat, während Sikyon sich um 506
anschloss.158) so lässt sich dies noch immer nicht mit Domaszewskis
Aufstellung vereinbaren, da sie den Beitritt Sikyons vor demjenigen von
Aegina und Megara bedingt. Die Frage, welche sich auf den Anscbluss
der Städte an der argolischen Küste: Epidauros, Hcrmione, Trözen,
Tiryns, Mykenae bezieht, ist nicht leicht zu beantworten; dass die An-
sicht Dunckers, sie hätten sich um 550 von Argos getrennt, nicht
gebilligt werden kann, wurde bereits oben bemerkt. Am wahrschein-
lichsten ist, dass sie erst infolge von Argos' Niederlage im Jahre 495
in den peloponnesischen Bund traten.159) Sparta hat schwerlich früher
Gelegenheit gehabt, auf die Ostseite der Argolis überzugreifen;100) an-
derseits lässt Kleomenes' Landung im Gebiet von Tiryns darauf schließen,
dass er dort Verbindungen angeknüpft hatte. Nach 495 war Argos auch
nicht imstande, dein Abfall der mit ihm bisher verbündeten Städte
Widerstand entgegenzusetzen, da es durch den Verlust einer bedeutenden
Zahl von Bürgern geschwächt war und von schweren inneren Kämpfen

getreten, Recht hat, so muss dieses Verhältnis infolge der Ereignisse von 507 und
506 von selbst ein haldiges Ende gefunden haben. Allerdings wird dem Kriege von
490 ein Bündnis zwischen Athen und Sparta, wahrscheinlich eine Epimachie, vorauf-
gegangen sein (Macan 1. 1. II 97 ff.).

158) Herod. VI 92 s-ey.aXeovxo xou? aiiou? zohq xa'i jtpdcspov. Diese auf V 86
hinweisenden Worte lassen es doch als möglich erscheinen (was Wilamowitz, Aristo-
teles und Athen II 282 ff., und Busolt, Gr. G. 2 II 307. 648 leugnen), dass die in
früherer Zeit erfolgte Hilfe von Argos mehr als eine Sage ist. Für ihre Realität auch
Macan II 105 ff.

1") Wilamowitz a, a. O. II 281, Busolt, Gr. G. II2 644 ff., Macan II 105 ff.
tMj yrc 94_ 428.

139) Ähnlich Busolt, Laked. I 268 (n. 17), vgl. ibid. 69. 74.

1C0) IGA 46 gehört kaum in viel frühere Zeit vgl. Inschriften von Olympia
Sp. 364.
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