Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 149
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erschüttert wurde.161) Im ganzen dürfte sich aus diesen Erwägungen
herausstellen, dass Hcrodots Ausspruch, den Spartanern habe schon im
sechsten Jahrhundert der größte Theil162) der Peloponnes gehorcht (I 68),
erst für die Zeit nach 495 gilt und dass die Zusammenfassung der
gesammten Halbinsel, Argos und Achaia ausgenommen, in einen Bund
und dessen Consolidation nicht zum mindesten auf den Krieg gegen die
Perser und die leitende Stellung, welche die Spartaner in demselben
einnahmen, zurückzuführen ist.

Das Ergebnis also, zu welchem wir bezüglich der Anordnung der
Staaten auf der Schlangensäule kommen, ist ein wesentlich negatives;
es kann auf sie nicht, wie die neueren wollten, eine Formel angewandt
werden, die alles zu erklären vermöchte. Auch die Stärke der von den
einzelnen Städten gestellten Contingentc wurde dafür nicht zugrunde
gelegt,163) schon deswegen nicht, weil es sich um die Theilqabme an
zwei Schlachten handelte, bei welchen die Streitkräfte eines und des-
selben Staates von verschiedener Art (da einmal zu Wasser, einmal zu
Lande gekämpft wurde) und Größe waren. Es ist zu vermuthen, dass
der Strategenrath die Entscheidung wie über die Aufnahme, so auch
über die Anordnung der Städte auf dem Denkmal hatte. Am ehesten
lässt sich noch vermuthen, dass für die Reihenfolge im allgemeinen die
politische Bedeutung und die kriegerischen Verdienste der Staaten maß-
gebend waren,161) was freilich keine im einzelnen feste Norm abgab;
daneben waltete, wenn auch nicht in consequenter Weise, das Bestreben
ob, gewisse landschaftliche Gruppen zusammenzufassen, wie die Städte
der Argolis, die Inseln, die korinthischen Colonien.

Dass die von Pausanias (V 23, 1—3) Uberlieferte Liste am Bathron
der Zeusstatue in Olympia mannigfach von derjenigen der Schlangen-
säule abweicht, ist eine bekannte Thatsache,165) mit welcher wir uns
hier weiter nicht zu beschäftigen haben. Doch ist in Consequenz der
früher entwickelten Anschauung darauf hinzuweisen, dass Bauers An-
sicht, die Liste in Olympia habe von derjenigen in Delphi im einzelnen
verschieden sein können,166) nicht acceptabel ist, da die ihr zugrunde

»8») Herod. VI 83. Dazu Busolt, Laked. I 334 ff. und Macan 1. 1. I 340.
162) In V 74 gar zur 'ganzen Peloponnes' erweitert.
>C3) Sieh die Tabelle bei Frick 1. 1. zu S. 539.

m) So schon Frick 539 ff., dann G. Eawlinson a. a. 0. 4 IV 472 und ßeloch,
Jahrb. f. cl. Phil. 1888, 326.

1C5) Am besten zu ersehen aus der Zusammenstellung bei Domaszewski a. a. 0.
186. 187.

10fi) a. a. 0. 223. 226 ff.
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