Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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von Brigetio zu passen. Indes bin ich von dieser Ansicht zurückge-
kommen. Es scheint in der That, dass die Provinz wegen der Kürze der
zu deckenden Grenzstrecke, die zudem durch den gewaltigen Donaustrom
und drei große Legionslager gesichert war, wirklich nur so wenig Alen
und Cohorten enthielt.

Eine zweite Frage ist die nach dem Grunde der Verschiedenheiten
in den einzelnen Listen. Bedeutend sind dieselben nicht. Sie bestehen für
die Alen darin, dass im J. 149 die I Ulpia contariorum, im J. 138 an-
scheinend die III Augusta Thracum fehlt, für die Cohorten, dass im
J. 133 die beiden Cohorten der voluntarii civesRomani, die IUI und XVIII,
noch fehlen und ebenso zwei in den Jahren 138 und 154. Im letzteren
sind es die IUI voluntariorum c. R. und die I Aelia sagittariorum, im
J. 138 vielleicht die II Alpinorum und die V Callaecorum Lucensium.
Die Gründe für das Fehlen der einzelnen Abtheilungen können ver-
schiedene sein; ein Anlass wird durch das oben angeführte Diplom des
Jahres 150 nahe gelegt, die zeitweilige Entsendung von ganzen Abthei-
lungen oder Theilen derselben in eine andere Provinz. Während nämlich
in dem vor kurzem bekannt gewordenen Diplome vom 19. September 82
(III S n. XIV) zu den Auxilien von Germanien auch diejenigen hinzu-
gefügt werden, die zu diesem Heere gehörten, aber zeitweilig sich in
Moesien befanden (mit den Worten item in ala Claudia nova et cohor-
tibus duabus III Galhrum et V Hispanorum, quae sunt in Moesia sub
C. Vettuleno Omca Ceriale), bezieht sich das Diplom des J. 150 nur
auf Reiter, für die der Garnisonsort Pannonia superior oder Pannonia
inferior war, die aber in der Provinz Mauretania zur Entlassung kamen
cum essent in expedition(c) Maüretan(iae) Caesar ens(sis).

Das eben angeführte Militärdiplom vom J. 82 ist eines der beiden
in der Nähe von Tirnowa in Bulgarien gefundenen und dann in Les-
kovec bei einem Schullehrer aufbewahrten, die nach Abschriften eines
bulgarischen Studenten der Petersburger Professor Poniatowsky in einer
dortigen Zeitschrift herausgegeben und Mommsen in der eph. epigr. IV
1». 495 ff. n. LXVIII und p. 504 ff. n. LXXT wiederholt hat. Später sind
beide in das bulgarische Museum nach Sofia gekommen, und Mommsen
hat zu der neuen Ausgabe in III S p. 1960 n. XIV und p. 1993 n.
LXXVI Skorpil'sche Abdrücke verwenden können. Neuerdings hat mil-
der Director des Museums von Sofia Prof. Dobrusky vorzügliche Photo-
graphien mitgetheilt. Für das Diplom des J. 82, dessen Schrift auf
beiden Seiten beider Tafeln sorgfältig ist, so dass die Lesung keine
Schwierigkeit macht, ist der Text im Corpus ziemlich genau; zu bessern ist
dass auf der Außen- wie der Innenseite nicht praeest, sondern, der
Übung in den älteren Diplomen entsprechend, praest steht. Dagegen ist
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