Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 169
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Die Abbildungen zeigen, dass die Schreibung des Diploms keines-
wegs sehr fehlerhaft ist, wie es nach den früheren Publicationen schien.
Auf den Außenseiten entspricht Schrift wie Abkürzungsweise im ganzen
der gewöhnlichen Form, und Gravierfehler kommen überhaupt nicht vor.
Gegen die Hegel der Abkürzungen verstößt ADNEPO in Z. 10, und
unrichtig ist in Z. 6 die Zahl XXXIII der tribunicischen Gewalt, da
M. Aurel im April 178 sie erst zum XXIlmale hatte. Doch steht die-
selbe Ziffer auch innen Z. 5.

Auf den inneren Seiten ist, wie in dieser Zeit gewöhnlich, die
Schrift flüchtig und von der Quadratschrift sehr abweichend. Eigen-
thumlich aber ist, dass das in der römischen Epigraphik für Ab-
kürzungen herrschende Gesetz (das in andern Diplomen auch auf der
Innenseite trotz starker und willkürlicher Abkürzungen in der Kegel
gewahrt ist), mit dem Consonanten, der eine neue Silbe beginnt, zu
schließen, hier wenig beobachtet ist. Abgesehen von den geläufigen
Abkürzungen AVG, COS, IMP, LEG, POT und den Einzelbuchstaben
L, A- D, P- P überwiegt der Schluss mit einem Vocal.

Die Beispiele sind: mit Auslassung des S1) Z. 2 u. 7 NEPO,
Z. 3. 8 ABNEPO, Z. 4 SARMATICV, Z. 5 MAXIMV, Z. 6 AELIV
AVRELIV COMMODV, Z. 10 PEDITIBV und EQV1TIBV, Z. 16
VXORIBV und Z. 16. 18 QYA für QVAS,

mit Auslassung des M1) Z. 15 EORV, Z. II 6 = 25 TEMPLV,

des R Z. 2 FR ATE, Z. 6 CAESA,

des X Z. 5 PONTIFE;

ferner mit Auslassung eines Vocals Z. 3. 8 NERVA für NERVAE,
Z. 18 POSTE für POSTEA,

einer Silbe Z. 1 (?). 8 PARTHI für PARTHICL Z. 3 PRONE für
PRONEPOS, Z. 6 ANTONT für ANTONINI, Z. 9 GERMANI für
GERMANICVS. Z. II 5 = 24 TABV für TABVLA,

von zwei Silben Z. 1 FI für FILIVS. Z. 5 TRIBVNI(?) POTE
für TRIBVNICIA POTESTATE.

Dem stehen gegenüber als der gewöhnlichen Weise entsprechend
Z. 2 MAXIM, Z. 4 ANTONIN, Z. 7 FIL und PRONEr, Z. 9 SRMATIC
TRIBVN, Z. 11 NVMIDAR, Z. 18 DAT (für DATA), Z. II 4 = 23
VALER • F • CAST, Z. II 5 = 24 RECOGNIT, Z. II 6 = 25 MVR.

In anderer Weise widersprechen der Piegel Z. 14 SVSCRIP,
Z. 17 TVN wenn es statt TVNC stand, Z. II 6 = 25 POS.

Im Übrigen ist über die Schreibung etwa folgendes zu bemerken:
Tafel I außen sind Ende von Z. 4 Stücke von VSS, Ende 5 von T

') Vielleicht war der Grund, dass in der Aussprache der Schlussconsonant unter-
drückt wurde.
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