Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 173
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Ausgrabungen in Carnuntum.

I. Die Befestigungsanlagen von Carnuntum.

Den Bericht über die von Herrn Lieutenant Baumann und mir
geführten Ausgrabungen an der Nordseite des Burgfeldes von Deutsch-
Altenburg erlaube ich mir wegen der hohen und entscheidenden Be-
deutung Carnuntums für die Wehrorganisation an der Donaulinie mit
einigen allgemeinen Bemerkungen einzuleiten, die sich mir während
mehrjähriger Studien aufgedrängt haben, und die ich der Prüfung der
Öffentlichkeit zu unterwerfen wünsche. Bei der Abfassung dieses Berichts
wie der folgenden haben mich die Herren Dr. Zingerle und Dr. Reichel,
sowie Herr Prof. Kubitschek durch Mitwirkung unterstützt, wofür ich
ihnen an dieser Stelle meinen Dank abstatte.

Zunächst verdienen die Außenwerke Beachtung. Als Flankenschutz
gegen Osten fungierte das Castell „am Stein" (Taf. II Fig. 2 er), zwi-
schen dem sich von der Ostseite des Lagers aus drei Wachthürme in
500 Meter Abstand auftheilen lassen, und in gleicher Entfernung gegen
Westen liegt das große gräflich Traunsche Scbloss (Taf. II Fig. 1), das
den Standort eines zweiten antiken Vorwerkes bezeichnen dürfte. Da-
gegen scheinen im Bücken von Carnuntum nach Süden, wie an sich
begreiflich ist, nur einige Thünne an den Straßenzügen als Wacht- und
Signalstationen gedient zu haben.

Das Castell „am Stein", mit einer Bodenfläche von etwa 15000
Quadratmetern, liegt an einer Stelle des Ufers, wo der Flussübergang
durch den nach Nord vorspringenden, gleichfalls „am Stein" genannten
Kalksporen erleichtert war. Der niedrige letzte Ausläufer dieses Sporens,
der eine Klippenreihe bildet, welche jetzt nur bei sehr niedrigem Wasser-
stande theilweise zum Vorschein kommen soll, wie Burgerstein in seiner
geologischen Studie über die Therme von Deutsch-Altenburg S. 5 mit-
theilt, mag im Alterthum vom Flusse noch nicht bedeckt gewesen sein.
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