Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 179
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•achse des Lagers jene ideale Linie trifft, die porta praetoria anzunehmen
sein. Zwischen dieser und der Nordostecke einerseits, der Nordwest-
ecke anderseits haben je zwei Zwischenthürme mit 66 m Distanz Platz,
so dass die Prätorialfront mit zwei Thorthürmen, vier Zwischenthurmen
und zwei Eckthürmen bewehrt sein konnte. Geschütze mochten von hier
aus den Strom bestreichen und herabgeschleuderte Feuerbrände feind-
liche Schiffe fernhalten. Strom und Uferrand bildeten übrigens hier so
gewaltige Annäherungshindernisse, dass dieser Lagertheil der gesichertste
war, und eine bis zum Wasser reichende Palissadensicherung hier
genügen mochte.

Abb. 2 a,

Da der Feind zumeist durch Forcierung der Schiffsbrücke, oder
wenn dieselbe aufgelassen war, durch rasches übersetzen dieser schmälsten
Donaustelle (Taf. II Fig. 2) das Operationsfeld vor dem Lager zu gewinnen
trachten musste, so war die Ostseite des Lagers dem Anstürme am meisten
ausgesetzt. Boten doch dem Feinde in späterer Zeit wohl auf dem ganzen
AVege bis fast in Schussweite vor dem Lager die zahlreichen Gebäude
Deckung, die sich vom Kirchenberg Uber das „Saubergl" bis zum Amphi-
theater und darüber hinaus hinzogen, da die an das Amphitheater an-
grenzenden Cultusgebäude sich bis auf 70 m dem Lagerwalle näherten.
Zwischen diesen Gebäuden und dem Wallgraben haben sich antike Fuß-
angeln gefunden, sowie zahlreiche Geschosse, die von einem letzten Kampfe

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