Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 182
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1897/0190
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
182

springenden Winkeln Räume, gegen welche Pfeil und Speer nicht oder
nur unvollkommen zu wirken vermochten. Die Erkenntnis dieser
Schwäche der Verteidigung mag ebenfalls zur Abrundung, sfber auch
zur Aufstellung von Geschützen in den Saillants geführt haben. Wir
sehen auch letztere durch Thürme, die muthmaßlichen Aufstellungs-
orte der Geschütze (Funde von Schleuderkugeln in größerer Anzahl
in den Thürmen, geringere Breite des Wehrganges der Umfassungs-
mauern) verstärkt. Die Wallthtirme liegen auf der Innenseite der
Umwallung, gestatten somit keine flankierende Wirkung nach außen,
konnten jedoch, im Falle der Angreifer die Mauer erstiegen, eine Art
Reduits für den Vertheidiger gebildet haben."

Anhangsweise sei noch der Skelettfunde in und vor dem Lager
gedacht. Im Jahre 1877 wurden am Lagerplateau südlich von den Lager-
heiligthümern 13 unversehrte männliche Gerippe, die Schädel nach Osten
gewendet, ausgegraben, ohne Beigabe. 1895 und 1896 zog ich vom Amphi-
theater her bis 70 m vor den Wallgraben einen mit der Straße parallelen
Schnitt und fand in der Gegend der vom Xemesisheiligthum südwestlich
gelegenen Cultgebäude zehn in einer Reihe mit den Köpfen nach West
gelagerte Skelette, ohne irgend einen Anhaltspunkt für eine zeitliche

ahmung kufischer Schrift. Herr Hofrath Karabacek, der diese Zeichen
zu prüfen die Güte hatte, erkannte in ihnen die Imitation des Gepräges

Abb. 3.

Fixierung zu erhalten. Indes un-
weit davon, 50 cm unter der Flur
in gleicher Tiefe wie dioGcbeine,
kam das Mündungsstück eines
sechs bis aehtpfündigen (Stein-
kaliber) Bronzemörsers aus der
ersten Hälfte des 16. Jahr-
hunderts zum Vorschein, ferner
eine in Thonschiefer geschnit-
tene Gussform (Abb. 3) für Me-
daillons mit Ösen. Eine der drei
Medaillonsformen ist halbmond-
förmig ausgeschnitten, die bei
den anderen sind kreisrund,
letztere von einem gestrichelten
Randbande umzogen; dieses
Band schließt bei dem einen
Stück einen viertheiligen Stern
ein, bei dem anderen vier
Zeilen einer barbarischen Nach-
loading ...