Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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in den Lützel-Wiebelsbacher und Wiesbadener Castellen8) ergraben
wurden, (Taf. IUI?, Fig. 1) völlig übereinstimmend: eine halbcylindrische
Kappe wird von einer leistenartig vorspringenden Tropfnase von
trapezoidem Querschnitt unterfasst, so dass die darunter liegenden
Flächen der Zinnenplatten vor der Erosionswirkung des abrieselnden
Wassers geschützt waren, während Kappe und Tropfnase durch die
Tropfwirkung stark mitgenommen erscheinen. Die Zweckmäßigkeit der
Construction wird augenscheinlich an einem stark vorladenden und aus-
nehmend genau gearbeiteten Deckel eines Bruchstückes (Taf. III B, Z3
und Taf. III A Mitte oben), das mit seinem unversehrten Profile von
einer kurz vor dem Falle der Feste erneuerten Zinne herrühren dürfte.
Hier war der Zinnendeckel an einem Ende senkrecht bis zur Tropf-
nase eingeschnitten, denn unter der Nase setzt die Platte fort, wie
an Zs Taf. III B an einer über den Schnitt vorragenden spitzwinklig
abgebrochenen Ecke eben noch ersichtlich ist. Setzt man für das Bruch-
stück Z3 als ursprüngliche Breite, die der unverletzten Zinne Z 5 an
also 85 cm, so sind vom Zinnendeckel, der 59 cm Länge misst, genau
26 cm weggeschnitten; dieses Maß wäre gerade hinlänglich, um in den
Einschnitt den Zinnendeckel einer rechtwinklig an diese Zinne ange-
fügten Flankendeckung9) fügen zu können. Vermuthlich war dieser von
außen fast nicht sichtbare Zinnenschenkel aus Mauerung und nicht aus
Steinplatten aufgeführt.

Die zutage geförderten Zinnen haben an einer der lothrechten
Schmalseiten eine seichte, nur mit der Spitzhaue hergestellte, unge-
glättete Aushöhlung. (Taf. III A rechts oben und Taf. III B, Z2 Zs
Profilansicht,) Nur bei der beim Walleinbau am Beginne der Abrundung
des Nordosteckes gefundenen Zinne Z5 (Abb. 11) die von allen die größte
Breite aufweist, sind beide verticalen Schmalflächen ausgehöhlt. Da
die Höhlung absichtlich gerauht erscheint, kann sie nur den Zweck
haben, die Mörtelhaftung zu unterstützen, also etwa das im rechten
Winkel ansetzende Mäuerchen in guten Verband zu bringen.10)

Die Breite der Zinnenplatten wechselt zwischen 67 und 68 cm,
die Höhe zwischen 70 und 73 cm; die durch die Verwendung von
Steinplatten ermöglichte geringe Stärke von 25 cm gestattete dem
Vcrtheidiger Schuss und Wurf möglichst weit vorzubringen, während

8) Cohausen, Eöm. Grenzwall Taf. VII, Fig. 5.

9) Reconstruction einer Zinnenkrönung von H. Lehner in „Die römische
Stadtefestigung von Trier", Westdeutsche Zeitschrift XV S. 222 und Overheck,
Pompeji 4 S. 46.

10) Pompejanische Zinnen, Overheck a. a. 0. S. 46 und Triersche, Westd.
Zeitschr. XV S. 222. Auch bei dem Zinnendeckel vom Castell Wiesbaden (Taf. III B,
Fig. 1) ist an der Lagerfläche eine derartige rauhe Aushöhlung bemerkbar.
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