Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 191
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Die Fundamentplatte des Thurmes bildet ein Rechteck, dessen
Schmalseiten nach West und Ost gerichtet sind. Die dem Feinde ent-
gegengewendete östliche Schmalseite tritt um 2-5 m vor die Außenflucht
der Kurtine vor, von deren Grundplatte noch ein kurzer Stumpf mit der
Südwand des Thurmes zusammenhängt. Dasselbe wird beim Nordthurm
der Fall gewesen sein, wenigstens ergeben Mauerspuren, die in der
Böschung jenseits der modernen Straße anstehen, dieselbe Fluchtrichtung.
(Taf. I, Fig. 1.)

Die Fundierung des Nordthurmes reicht 1*2 m unter die Oberfläche
des Raines der modernen Straße. Auf einer Stückung von Bruchsteinen
ruht eine 55 cm hohe Grundmörtelplatte, darauf 4 Scharen meist 20 cm
langer, 13 cm breiter und 9 cm hoher, roh zugerichteter Bruchsteine. Sie
stellen die unterirdische und daher weniger sorgfältige Sockelverkleidung
dar, innerhalb welcher kleinere, ganz roh gelassene Steine ohne Schich-
tung mit viel Mörtel die Füllung ausmachen. Randsteine wie Füllung
trifft man außerdem an zwei Stellen der Straßenfläche bei C (Taf. I,
Fig. 1 und Taf. II, Fig. 2 a) und an einem zweiten Straßenpunkt weiter
östlich aus dem Straßenkörper anstehend. Die Steinlagerung bei C
überragt jedoch die westliche Thurmgrenze um 60 cm. Diese Aus-
ragung wird von einem risalitartigen Anbau herrühren, demjenigen ent-
sprechend, welcher bei der Porta decumana und zwar auch wieder an
dem vom Lagerinnern her linken Thurme constatiert wurde.

Marsigli scheint in seiner Zeichnung (Abb. 2 a) die beiden Thurm-
ruinen im Quaderkleid darzustellen. Den Thorweg hat die moderne
Straße gänzlich zerstört, nur Kiesmengen sind vom römischen Straßen-
körper hier zurückgeblieben.

Die Via principalis ist im Thor auf weniger als 5 m eingeengt.
Mit dem Gelände vor demselben fiel dann die Straße zum Amphi-
theater ab, führte zum Eingange in die Hauptloge, hier zu 14 m Breite
anwachsend und nahm dann Richtung gegen den sogenannten „Tumulus".
Vergl. Taf. II, Fig. 2.

Freigelegt ist diese Heerstraße nur beim Amphitheater selbst;
zwischen diesem und dem Lagerthor schnitt ich sie einmal in l'5m,
ein zweitesmal in 70 an Tiefe an. Wo sie sich mit der modernen Straße
kreuzt, macht sie einen Knick, wie die meisten auf Festungsthore zulau-
fenden Straßen kurz vor ihrer Einmündung in dasselbe; gegen Deutsch-
Altenburg hin ist der weitere Verlauf im Frühjahr in der aufkeimenden
Saat erkennbar; in eben dieser Richtung wurden vor Jahren Kistengräber
aufgedeckt.

In den erwähnten zwei Schnitten durch den Straßenkörper ersah
man, dass er, wie bei einer mehrhundertjährigen starken Benützung
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