Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 196
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sich die verschiedensten Reste aus römischer Zeit vorfinden. Oberhalb des
südwestlichen Mauerwinkels, 30 cm unter der Flur in Höhe des Lager-
niveaus, kamen zahlreiche Schleuderkugeln zutage, inmitten einer An-
häufung von Geschirrtrümmern größerer Sorte, z. B. von Amphoren.

Aus einem oberen Gemach des Thurmes stammt vielleicht auch
das Stück einer Weihinschrift Herjculi | sa]cru[m, welches unterhalb im
Wallgraben erschürft wurde.

Im zweiten Thurm der Ostflanke der Praetentura (Taf. I, Fig. 1)
besteht die Fundierung gleichfalls aus einer Unterkellerung. Diese ist
indes nicht in die Lagerebene, die hier wohl bei der angenommenen
Erweiterung des Lagers durch Anschüttung vorgeschoben wurde, ein-
gelassen, sondern in den Hang, um zuverlässigen Grund zu erreichen.
Die Tiefe der Fundierung erreicht die der anschließenden Wallmauer
nicht, was in der geringeren fortificatorischen Bedeutung des Thurmes
begründet sein mag. Auf der Sohle der Fundamentgrube ruht Stückung von
hochkant gestellten Bruchsteinen, darauf die Gussplatte, auf dieser das
Gemäuer des Kellerfundaments. Abweichend von Thurm I ist hier die
Verkleidung nicht aus Quadern erstellt, sondern die Blendung besteht
aus lagerhaft zugerichteten Bruchsteinen mit rauhen Ansichtsfiächen.

Vom Aufgehenden des Parterregeschosses liegt nur ein mächtiger
Werkstein von LI 5 m Länge, 85 cm Breite und 35 cm Tiefe zutage. Er
lagert ungebunden auf der Bruchfläche der Rückmauer, derart, dass er
möglicherweise als Schwelle gedient haben kann. Die südliche Flanken-
mauer (l*5m) ist um 15 cm schwächer, als die nördliche (L65 m).
Dafür hat erstere eine Sockelausweitung von 20 cm, die der letzteren
fehlte. Die AVinkel, welche die inneren Flankenwände mit der Rückwand
bilden, sind nicht scharf, sondern rund gemauert.

Die Wallmauer ist zu beiden Seiten des Thurmes L65 m mächtig,
dort aber, wo sie die Vorderwand des Thurmes bildet, fällt sie infolge
des Einschneidens der Unterkellerung auf Im ab, so dass die Rück-
mauer mit l'ßm die Außenwand an Stärke Ubertrifft. Die lichte Weite
des Kellergelasses beträgt 27m von Süd nach Nord und 2-5m von Ost
nach West. Der Boden besteht wie in Thurm I aus Lehmschlag. Der
Innenraum ist von Schutt angefüllt, der in der Höhe des Parterre-
geschosses nebst zahlreichen Schneckengehäusen Trümmer von Koch-
geschirr enthielt.

Unweit des Thurmes II kamen zwei ungleich große, aber offenbar
zusammengehörige Kegelstümpfe aus Sandstein zutage1L>) (Abb. 10).

12) Zwölf Pyramidenstümpfe fanden sich auch im Castell bei Kobern auf Deckel-
platten aufgesetzt. Im Castell Butzbach kamen solche als Thürpfostenknäufe vor.
Obergerm.-rät. Limes, I, Lieferung II, Fig. 11.
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