Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

Seite: 199
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60 cm, der im rechten Winkel anschließende 65cm stark. Von den Stiitz-
pfeilerchen des Hypocaustums steht nur noch eines aus Stein, oben und
unten abacusförmig ausladend, in ursprünglicher Stellung aufrecht;
seine Höhe beträgt 60 cm. Die übrigen waren in üblicher Weise aus
Ziegelplatten von 20—23cm im Geviert aufgebaut, die zahlreich ver-
streut umherliegen. Vom Hohlboden sind drei Sandsteinplatten erhalten,
eine noch in ursprünglicher Lage auf dem erwähnten Steinpfeilerchen
aufliegend (60c»«'im Geviert, 7cm stark), zwei andere im herumliegenden
Schutte. Eine gröllere Menge Kacheln verschiedener Abmessungen mit
ausgeschnittenen eckigen oder runden Circulationsöffnungen rühren von
der Heizluftführung der Hohlwände her. Der Umstand, dass die ganze
Anlage aus durchaus ungleichmäßigem, sicher von zerstörten Bauten
hergenommenem Materiale, aufgeführt ist, gestattet den Schluss auf
späte Entstehung dieses Einbaues. Der Schutt des Einbaues enthielt
außer den Bestandteilen der Heizluftführung noch Thierknochen,
Bruchstücke großer beruster Thongeschirre nebst Deckeln, und thönerne
Schleuderkugeln.

Hier wurde ein Sockelfragment mit Resten einer Weihinschrift
gefunden:

Erwähnenswert ist noch das Stück einer Pflasterplatte mit dem Stempel
der XV. und andere Backsteinfragmente mit dem der XIV. Legion.

Auf weitere Walleinbauten an der Ostflanke der Praetentura lassen
zwei verticale Verputzflächen schließen, die nebeneinander nächst dem
Schulterpunkt der Bastion (Taf. I, Fig. 1 bei Wt und W2) an der
Innenseite der Wallmauer zum Vorschein kamen. Sie reichten bis zum
Fundamente hinab; demnach mussten diese Einbaue tief unter das Lager-
niveau in den gewachsenen Grund eingeschnitten sein. Die dicht am
Schulterpnnkt der Bastion bei W1 stehende, weiße Stuckwand war nur
2'im breit und 1.4?» hoch. Im Schulterpunkt selbst wurde sie von
einem lisenenartigen Vorsprung der Wallmauer begrenzt. Die Putzfläche
W2 ist 4'9m breit, noch V8m hoch und röthlichweiß bemalt. Der
Stuck war in zwei Schichten aufgelegt; die rückwärtige unmittelbar
auf die angeglichene Mauerung gebrachte ist gröber in der Masse, mit
viel Sand, 2c?» dick, die äußere feiner, nur lern stark. Beide Stuck-
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