Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 20.1897

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wände giengen am unteren Rande in einen Viertelrundstab Uber, dort
musste also der Fußboden, wahrscheinlich Dielenbelag — nach Spuren
im Mörtel'6—7 cm stark •— eingesetzt gewesen sein.

Von Rückwand und Seitenwänden haben sich keinerlei Reste
erhalten und in diesem Fall wird mit Hettner anzunehmen sein, dass
die Walleinbauten aus Holz bestanden ( Westdeutsche Zeitschr. XV S. 222).

Wallgraben.

Seine Weite beträgt zumeist 20«;, nur in der Nähe des Thores
verringert sie sich auf 12 und lim, weil daselbst der „Verbindungsweg"
zwischen Thor und Uferstraße einen großen Theil der Contreescarpe
wegnimmt.

Ich untersuchte den Graben in verschiedenen Einschnitten (Taf. I,
Fig. 1, no, ik, gh, ab, Im, id, ef), in denen sich die Profillinien deutlich
abhoben, da der tertiäre Untergrund (Tegel) gelb, die spätere Schutt-
auflagerung und Humusbildung grau und grauschwarz, augenfällige
Grenzen gaben.

Die Berme wird annäherungsweise 90 cm gemessen haben •
die Escarpe fällt allmählich ab und vertieft sich dann mit etwas
steilerer Böschung, so dass der tiefste Punkt der auf diese Weise
gebildeten Cunette 4>« unter das ursprüngliche römische Terrain zu
liegen kommt. Die Cunette steigt zur Contreescarpe mit annähernd
demselben Böschungswinkel an, mit dem sie von der Escarpe zur Sohle
fällt. In allmähliger Steigung erhebt sich dann die Contreescarpe vom
Rande der Cunette, bis sie in 10?« Entfernung von der Sohle des
Grabens das Glacis erreicht. Der Senkung des Lagerplateaus von Süd
nach Nord entsprechend, musste der am Fuße der Plateauböschung
laufende Graben derselben Richtung folgen. In undurchlässigem Letten-
grund eingeschnitten, funetionierte der Wallgraben zur Römerzeit sicher
auch als Abzugsgraben gegen die Donau für das von ihm durchzogene
Gelände und noch heute kommt, sobald man denselben schlitzt, allent-
halben Wasser zutage. Demnach erscheint es ausgeschlossen, dass der
Durchlauf vor der porta principalis dextra durch einen festen Übergang
unterbrochen war.

Der Schutt der Wallmauer füllt den Graben auffälligerweise nicht
voll aus, sondern deckt nur Berme und Escarpe, indem er sich am Ende
der letzteren beim Ansätze der Cunette staut. Hier fanden sich die auf
Tafel. Uli wiedergegebenen Gesimsplatten, Brüstungsquadern und Zinnen-
platten beisammen. Nur vereinzelten, bei dem vehementen Sturze abge-
sprengten Stücken von Zinnenplatten, ferner Ziegeln von der Bedeckung
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